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7/8.2014




Zürich : Josée Pitteloud


von: Nadine Haldemann

  
Josée Pitteloud · Terre brulée 14 IV 07, 2007, 130x120 cm, Alkyd auf Leinwand, Courtesy ­Galerie Bernard Jordan. Foto: Frédéric Paley


Josée Pittelouds ‹Peintures› (*1952, Sion) evozieren innere Bilder auf einer visuellen wie emotionalen Ebene. In ihrer Abstraktion schaffen sie eine Atmosphäre, die Erinnerungen und Assoziationen weckt, und sie fordern auf, zurückzutreten, um schärfer zu sehen - doch es gibt keine Distanz zum Bild, in der sich dieses zu erkennen geben würde.
Die Bilder Pittelouds sind schwer zu fassen. Dies mag auch an der verwendeten Alkydfarbe liegen. Diese entwickelt eine ähnliche Leuchtkraft wie Ölfarbe, verfügt jedoch über eine flüssigere Konsistenz. Damit eignet sie sich besonders gut für lasierende Farbschichten. Gleichzeitig erlaubt sie einen sehr feinen Auftrag, der den Pinselstrich kaum erkennen lässt. Ihre rasche Trocknungszeit ermöglicht einen kontinuierlichen Arbeitsprozess, in dem die Farbe Schicht um Schicht übereinander gemalt wird, ohne vollkommene Deckung.
Die Bilder entstehen in einem langwierigen, oft mehrere Jahre dauernden Prozess. Aufschluss darüber geben die Bildtitel mit Anfangsdatum und Abschlussjahr. Die erste aufgetragene Farbschicht gibt dem Bild zudem seinen Namen. Die Künstlerin arbeitet parallel an verschiedenen Werken, hält immer wieder ein und lässt das Resultat auf sich wirken. Diesen Dialog führt sie mit einem Bild so lange, bis es vollendet ist und ein Eigenleben entwickelt.
Die Langsamkeit der Entstehung findet ihr Pendant in der Langsamkeit der Rezeption. Pittelouds ‹Peintures› lassen sich nicht mit einem raschen Blick erfassen, sondern fordern zur Vertiefung auf. Nur so kann ihre Vielschichtigkeit erfasst werden, kann unsere Stimmung mit der Stimmung des Bildes interagieren.
Den Gemälden stehen die kleinformatigen Arbeiten auf Papier gegenüber. Diese werden sehr viel schneller geschaffen, ohne jedoch flüchtig oder skizzenhaft zu wirken. Auch sie vermitteln eine Stimmung und erwecken Erinnerungen. Am Ende eines Arbeitstags als eine Art Ritual mit den Farbresten auf der Palette gemalt, sind diese Arbeiten für die Künstlerin ein Ausgleich zum spannungsgeladenen Entstehungsprozess der Arbeiten auf Leinwand. Wenn auch anders entstanden, ist in den quadratischen Kleinformaten alles angelegt, was die Malerei der Genferin einzigartig macht.
Die Bilder sind schwer zu fassen. Sicher jedoch geht es um die Auseinandersetzung mit Material, Form und Farbe. Und um deren Wahrnehmung. Pittelouds Arbeiten sind das Resultat eines Prozesses, in dem sie die Balance zwischen bewusster Steuerung und freier Entwicklung sucht. Erst wenn daraus ein harmonisches Bild entstanden ist, kann die Auseinandersetzung beginnen. In der anschliessenden Rezeption­ balancieren wir zwischen der versuchten Deutung und den evozierten Empfindungen und erschaffen das Bild so erneut.

Bis: 19.07.2014



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Ausgabe 7/8  2014
Ausstellungen Josée Pitteloud [17.05.14-19.07.14]
Institutionen Bernard Jordan [Zürich/Schweiz]
Autor/in Nadine Haldemann
Künstler/in Josée Pitteloud
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