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7/8.2014




Karlsruhe : Mapping Spaces


von: Yvonne Ziegler

  
links: Pieter Snayers · Die Belagerung von Gravelines vom 11. April bis 17. Mai 1652, um 1653, Öl auf Leinwand, 188x260 cm, Courtesy Museo Nacional del Prado, Madrid
rechts: Jacob Isaacksz van Ruisdael · Ansicht von Naarden, 1647, Öl auf Leinwand, 34,8x67 cm, Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid


Eine Ausstellung im Zentrum für Kunst und Medientechnologie richtet den Blick auf eine Zeit, als Kunst und Wissenschaft eng verzahnt waren und sich ein grundsätzlicher Wandel in der Raumwahrnehmung und -darstellung vollzog. Künstler malten nicht nur, sie waren auch als Landvermesser tätig und zeichneten auf Schlachtfeldern die topografischen Gegebenheiten. Schauplatz von ‹Mapping Spaces› sind die Niederlande um 1600, mit besonderem Augenmerk auf den militärischen Kampf- und Baustrategien des achtzigjährigen Kriegs und der Landgewinnung durch systematische Trockenlegung von Binnengewässern. Beide Unternehmungen erforderten Ingenieurskunst und so wird auch von der ersten Einrichtung eines hierauf spezialisierten Studiengangs an der Universität Leiden berichtet. Da in dieser Zeit der Streit um kopernikanisches versus ptolemäisches Weltbild tobte, besetzte man den Lehrstuhl für Astronomie doppelt. Ein kopernikanisches Planetarium, Galileo Galileis «Dialogo», sowie Giordano Brunos Postulat über die Unendlichkeit des Weltraums eröffnen zusammen mit frühen Weltlandschaftsbildern, Stichen neuster Erfindungen wie Mühle, Kompass, Schiesspulver etc. sowie Atlanten und Globen den geistigen Horizont der Ausstellung. Messgeräte wie Triangular, Jakobsstab, Quadrant oder Proportionalzirkel veranschaulichen darüber hinaus die handwerklichen Bezüge. Austausch über deren Benutzung hatten die Künstler in den Gildehäusern, zu denen auch Mathematiker, Vermesser und Architekten gehörten. Zu sehen sind aufschlussreiche Illustrationen, Handbücher und «Bestellkataloge» von Kriegswerkzeug und Feldlagerlogistik von Simon Frisius, zur richtigen Handhabung von Feuerwaffen von Jacques de Gheyn oder zur Perfektionierung des Schanzenfestungsbaus durch Minimierung von toten Winkeln. Faszinierend sind indes die unterschiedlichen Schlachtendarstellungen in Flandern und Holland. Die ‹Belagerung von Gravelines› stellt der Flame Pieter Snayers im vorderen und hinteren Bildteil als bildparallele Landschaftsansicht mit Bäumen, Menschen und Horizont dar, während er dazwischen den Blick auf eine Karte der Festung aus der Vogelperspektive wiedergibt. Beide Aspekte wurden zu einem faszinierenden Bildkontinuum verschränkt. In Holland entstand hingegen der Bildtypus des Panoramabildes mit gekrümmtem Horizont, worin die Schlachtenordnungen in der in die Tiefe verlaufenden Ebene nur zu erahnen sind.

Bis: 13.07.2014



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Ausgabe 7/8  2014
Institutionen ZKM | Zentrum für Kunst und Medien [Karlsruhe/Deutschland]
Autor/in Yvonne Ziegler
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