Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Besprechung
9.2014


Aoife Rosenmeyer :  Die zweite Skulpturentriennale von Noémie Enz und Jessica Schupbach steht unter dem Titel ‹Emergences›. Der atemberaubende Parc de Szilassy bietet die Bühne, auf der 43 Kunstschaffende Werke wie singuläre Inseln oder Orte der Opposition in einer vernetzten und verstrickten Welt aufscheinen lassen.


Bex : Bex et Arts - Weit weg vom White Cube


  
links: Claudia Comte · HAHA, 2014. Alle Fotos: David Gagnebin-de-Bons
rechts: links: Les Frères Chapuisat · Feu de joie, 2014; rechts: Florian Graf · Le Jeu du champ, 2014


‹Bex et Arts› erweist sich als wunderbare Alternative zu Ausstellungen in Galerieräumen. Der vormals private Park wurde mit Sorgfalt so angelegt, dass uns scheinbar zufällige Wege geschickt von einem Landschaftsbild zum anderen führen, während wir uns sowohl an der Schönheit des Orts wie auch am umliegenden Alpenpanorama erfreuen können.
Mehrere Künstler sind dieses Jahr zum zweiten Mal dabei, so Kilian Rüthemann, Claudia Comte und die Gebrüder Chapuisat, deren Werke unterschiedliche Facetten des Parks aufgreifen und sich mit diesen erneut auseinandersetzen. Für diese Teilnehmenden war die dreijährige Pause ein Gewinn. Comte's ‹HAHAHAH› empfängt die sich nähernden Gäste zunächst als «AHAHAH», geschrieben mit knapp 5 Meter hohen und 30 Meter langen Baumstämmen. Im spitzen «A» hallt das Echo der Bergspitzen nach sowie der freudige Genuss frischer Luft und touristischer Kultur. Gleichzeitig ist das Ganze auch das exakte Gegenteil eines ausschliessenden ha-ha, das nicht geladene Gäste abhält. Rüthemanns Installation, zwei rechteckige Aluminiumplatten, folgen einer topografischen Formation mit einer auf einer Böschung liegenden Platte und deren Gegenstück, das gegen einen Baumstamm lehnt. Sie erinnern an disparate Bilder von heute und von vergangenen Tagen, als blanke Stellen auf einem Satelliten-Foto oder aber als ein in der Sonne zum Trocknen und Bleichen ausgelegtes Tuch.
Neu geladene Künstler/innen fanden andere Eigenarten, die sie auskundschafteten: Floran Graf arrangierte in einer Lichtung ein ‹Jeu du Champ›, ein Damenspiel mit Gartenstühlen. Sogar in einem Park gibt es Regeln für soziale Interaktionen. Vanessa Billys ‹Spirit Levels› besteht aus drei mit dunklem Öl gefüllten Glasbehältern, jeder unterschiedlich positioniert, als ob es nicht nur darum ginge, das Terrain, sondern auch die Existenz natürlicher Ressourcen generell auszumessen. Miki Tallones ‹Way Out› ist eine wacklige, in eine Senke gegrabene Hütte, gerade über dem Eingangsweg. Ist es der Zugang zu einer Mine oder gar zu einer Lusthöhle eines ansässigen Einsiedlers, wie sie in den feinsten englischen Landschaftsfiktionen beschrieben wird?
Vor drei Jahren umkreisten die Kuratoren in ‹Territories› auf fruchtbare Weise das Thema Landschaft und künstlerische Praxis. ‹Emergences› schlägt eine weniger spezifische Begegnung mit dem Ort vor, dennoch sind die eindrücklichsten Werke diejenigen, die sich auf den ausserordentlichen Schauplatz einlassen.

Bis: 05.10.2014



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 9  2014
Ausstellungen Émergences [01.06.14-05.10.14]
Institutionen Fondation Bex & Arts [Bex/Schweiz]
Autor/in Aoife Rosenmeyer
Künstler/in Florian Graf
Künstler/in Claudia Comte
Künstler/in Cyril Chapuisat
Künstler/in Gregory Chapuisat
Künstler/in Vanessa Billy
Künstler/in Miki Tallone
Künstler/in Kilian Rüthemann
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=140823151310WIZ-10
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.