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Besprechung
9.2014


Daniela Hardmeier :  Vier Werke, eine Idee, ein Künstlerduo und eine Stiftung. Auf hintergründige Art und Weise betreibt das Künstlerduo ALMA sein Spiel mit der Frage nach Original und Kopie, mit unserer Gewohnheit der Rezeption und Vermarktung eines Werks und mit der Strategie der doppelten Identität.


Luzern : ALMA - Die Logik der Variation


  
ALMA · Kasacks, 2014, Mischtechnik, Masse variabel. Foto: Thomas Zirlewagen


Verwundert und etwas irritiert betrachtet man die neuesten Arbeiten von ALMA (Alf Hofstetter und Max Frei): Das Künstlerduo stellt viermal die (beinahe) identische Arbeit aus. Ein Thema, vier Variationen, vier Präsentationsformen, so lautet die Kurzformel ihrer Ausstellung in Luzern. Bezugnehmend auf den Galeristen und Maler Henri Spaeti - Ausstellungen versteht das Künstlerduo jeweils als Auftragsarbeiten - formulieren ALMA für die Galerie tuttiart in vier Serien ihren Umgang mit der Tradition der ungegenständlichen Malerei und der eigenen künstlerischen Herkunft. Auseinandersetzungen mit surrealistischen Tendenzen und der amerikanischen Nachkriegskunst sind in einem Grossteil der Malereien spürbar, bleiben häufig aber Anklänge und Ahnungen, die ein raffiniertes Spiel um Erkennen und Verwirren hervorbringt. Der Bogen ist jedoch viel weiter gespannt, die vier gezeigten Serien sind jede eine Kopie der anderen und doch je ein Unikat. Ein Werk gehört der Stiftung ALMA, in die seit Anbeginn der Zusammenarbeit jeweils eine Referenzarbeit gelangt. So wird der Fortbestand von ALMA unabhängig von den Künstlern garantiert, eine Investition in die Zukunft getätigt sowie ein Gutteil der Produktion von ALMA dem Markt entzogen. Ein Werk ist verarbeitet zu zwei Kleidern, den beiden ‹Kasacks›, die im grossen Schaufenster der Galerie präsentiert werden. Die anderen beiden werden als Stapel, resp. an der Wand gezeigt. Verwirrt? Kaum verwunderlich, denn so komplex wie die Kunstproduktion und der Kunstmarkt sind auch die Strategien von ALMA. Mit Vorliebe lassen sie uns in der Variation eines Themas verloren gehen.
Ihre Kunst ist jedoch nicht hermetisch, vielmehr nimmt man sehr unmittelbar an einem malerischen Dialog - jeder der beiden reagiert jeweils auf eine Tafel des anderen - teil, der so zum offenen Gespräch wird, dem man sich vor den Bildern schwerlich entziehen kann. Beziehungen zwischen den Arbeiten werden sichtbar. Fragen nach dem Wesen der Malerei stellen sich. Der Schritt von der zweiten in die dritte Dimension und zurück eröffnet Welten. Motive werden variiert, wie in der Musik.
ALMA betreiben eine Kunst der leiseren Töne, die pointiert Fragen aufwirft und Antworten formuliert zu Themen wie Autorschaft und Kunstmarkt oder zu unserem Verhältnis von Bild und Abbild. Diese Ideen sind nicht neu in ihrem Werk, die Stringenz in der aktuellen Umsetzung jedoch ist bestechend, so dass man gespannt sein darf, welche Überraschung die Ausstellung noch bereithält.

Bis: 14.09.2014



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Ausgabe 9  2014
Ausstellungen ALMA 2014 [31.08.14-11.10.14]
Institutionen tuttiart [Luzern/Schweiz]
Autor/in Daniela Hardmeier
Link http://www.stiftung-alma.info
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