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Besprechung
9.2014


Nadine Haldemann :  Das dem Ausstellungsprojekt ‹Angeschlagene Moderne› zugrunde liegende Konzept ist spannend und verspricht ein ungewöhnliches akustisches Kunsterlebnis. Zugleich fragt man sich, wie die Resultate wohl präsentiert werden. Als Augenmensch kann ich mir vor dem Besuch keine klare Vorstellung machen.


Zürich : Florian Dombois - Angeschlagene Moderne


  
links: Florian Dombois · Angeschlagene Moderne, 2014, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv. Foto: Stefan Altenburger
rechts: Florian Dombois, 2010. Foto: Dirk Spech


Vor dem Einlass in die Ausstellungsräume sind im Entrée die ersten Samples von Florian Dombois' (*1966, Berlin) akustischer Erforschung der ausgewählten Objekte und Skulpturen aus der Sammlung des Museums Haus Konstruktiv zu hören. Mit Blick auf den aus einer früheren Nutzung des Gebäudes stammenden Hebekran erwecken die Klänge die Assoziation eines Glockenturms. Die warmen und dunklen Töne erfüllen den hohen Raum, werden vom Ausstellungspublikum jedoch nicht merklich wahrgenommen. Und auch mir ist noch nicht bewusst, dass es sich um die Essenz des Ausstellungsprojekts ‹Angeschlagene Moderne› handelt, sondern ich suche beim Ausstellungsrundgang nach weiteren Spuren der angeschlagenen Werke.
Auf der dritten Ausstellungsebene werde ich scheinbar fündig. Im Raum zeugen siebzehn an der Wand aufgereihte «Mallets», Tonhämmer, von der akustischen Untersuchung der Werke. Um welche Arbeiten es sich handelt, denen Dombois mit diesen Schlägeln ihren spezifischen Klang entlockt hat, bleibt jedoch unbeantwortet. Stattdessen präsentiert sich hier der zweite Teil seiner Auseinandersetzung mit der hauseigenen Sammlung. Zusammen mit der Direktorin Sabine Schaschl hat der Künstler Werke von nach 1960 geborenen Kunstschaffenden ausgewählt, als tonlosem, visuellen Gegenpool zur «klingenden», bzw. angeschlagenen Moderne.
Die akustische Untersuchung von über zwanzig, vor 1960 gefertigten Objekten ergab 23 sehr unterschiedliche Töne. Ergänzt um einen Nicht-Ton, also um Stille, entwickelte Dombois eine Klanginstallation, die das Vergehen der Zeit wie eine Kirchturmuhr in Einheiten von 15 Minuten fasst. Ein Programm mit Zufallsgenerator bestimmt, wann welche Komposition gespielt wird. So kann es sein, dass während einer Stunde ausschliesslich der Nicht-Ton erklingt, die Installation also nicht wahrzunehmen ist.
Um jeden Ton einmal zu hören, müsste ich mich während 24 Stunden im Museum aufhalten. Oder ich kann die Publikation plus Schallplatte mit sämtlichen Tönen erstehen, doch dazu fehlt mir leider ein geeignetes Abspielgerät. Immerhin sind die untersuchten Objekte im Katalog abgebildet und den einzelnen Tönen zugeordnet. Isabel Mundry beschreibt ausführlich die Mechanismen der Installation, legt uns damit einen Schlüssel in die Hände, der die akustische Untersuchung nachvollziehbar werden lässt, ohne jedoch die poetische und klug ausgedachte Klanginstallation in ihrer Vielschichtigkeit akustisch erlebbar werden zu lassen.

Bis: 07.09.2014



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Ausgabe 9  2014
Ausstellungen Florian Dombois, Auguste Herbin, Tobias Putrih [05.06.14-07.09.14]
Video Video
Institutionen Museum Haus Konstruktiv [Zürich/Schweiz]
Autor/in Nadine Haldemann
Künstler/in Florian Dombois
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