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9.2014




Bernhard Huwiler


  
Bernhard Huwiler · Ein Hauch von Kunst, 2013. Foto: Flurina Hack Kessler


Eine ‹Landschaftsmaschine›, die einen Kieshügel abträgt und ihn mit dem gleichen Material wieder aufschüttet, oder ein Schrank, der auf einem Balkon an den Gleisen der Bahn ‹hinundher› fährt: Der in Bern lebende Künstler Bernhard Huwiler (*1957) fertigte schon oft erheiternde künstlerische Dispositive an, die vordergründig einer sinnlosen Vergeblichkeit unterliegen, aber umso bestechender auf einer metaphorischen, kontextuellen Ebene funktionieren. So wird der automatisierte Kreislauf des Kieshügels zur Vedute des heutigen technisierten Naturbezugs und der Schrank Sinnbild des hektischen, vielbeschäftigten Seins.
Auch die neuste Arbeit orientiert sich nicht an handfesten Resultaten. Es geht darum, Luft zu transportieren, von einem Ort zum anderen, vom Museum in einen kleinen Vorort-Kunstraum. So platzierte Huwiler im Zentrum Paul Klee einen Ventilator, der über Schläuche und Hüllen mehrere Zügelwagen mit Luft füllte. Diese buchstäbliche Unfassbarkeit liess er dann nach Bümpliz fahren und in der Cabane B entströmen: ‹Ein Hauch von Kunst›.
Das Interesse an Immaterialität ist in der Kunst nichts Unbekanntes: 1958 lud der französische Künstler Yves Klein zu seiner mittlerweile berühmten Ausstellung ‹Le Vide› in der Galerie Iris Clert in Paris mit den Worten, dass man in den leergelassenen Ausstellungsräumen eine besondere Atmosphäre der Kreativität, die «sensibilité picturale», erfahren würde. Ungeachtet dessen, dass solch überhöhte Rhetorik zum inszenatorischen Auftritt Kleins gehörte, wurde seine Suche nach künstlerischer Schaffenskraft und ihrer Domestizierung im Galerieraum zu einem Vorläufer institutionskritischer Arbeitsweisen, die sich selbst-reflexiv mit dem auseinandersetzen, was die Bedingungen von Kunst und ihrer Präsentation ausmacht.
Huwilers Arbeit zielt weniger auf das Erspüren der malerischen Sensitivität als vielmehr auf das Abzapfen der Aura des Sakralen, wie sie sich in vielen Museen verkörpert findet. Im Sinne einer kulturpolitischen Intervention wird so das Zentrum Paul Klee - oder zumindest ein paar Kubikmeter nobilitierende Luft davon - in ein Quartier verschoben, das städteplanerisch und aufgrund des hohen Ausländeranteils lange Zeit stigmatisiert war, womit die Cabane B, ein Ort des lokalen Engagements, gleichzeitig veredelt wird. Die Video­dokumentation der Aktion wird im Rahmen der Biennale Bern im Zentrum Paul Klee sowie im Showroom von videokunst.ch im PROGR gezeigt.



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Ausgabe 9  2014
Ausstellungen videokunst.ch [12.09.14-18.10.14]
Institutionen Galerie Bernhard Bischoff & Partner [Bern/Schweiz]
Künstler/in Bernhard Huwiler
Link http://www.biennale-bern.ch
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