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Hinweis
9.2014




Weltenwürfe


von: Daniela Hardmeier

  
links: Sandra Boeschenstein · was ist verbindlicher: am selben Ort zu unterschiedlicher Zeit oder simultan an verschiedenen Orten, 2014, Ölkreide und Ölfarbe auf Papier, 70x100 cm
rechts: Justin Hibbs und Michael Zogg · Para/Site, Holz und Decklack, Masse variabel; Monica Ursina Jäger · at the end of the day (nothing but souvenirs), 2010, Tusche auf Papier, 113x204 cm


Drei Künstlerinnen, drei Sichten auf die Welt. Im Kunsthaus treffen die Arbeiten von Sandra Boeschenstein, Julia Steiner und Monica Ursina Jäger (mit Justin Hibbs und Michael Zogg) aufeinander. Alle bedienen sich des Mediums der Zeichnung und erschaffen aus inneren Bildern, vorgefundenem Material, der Auseinandersetzung mit alltäglichen Dingen, der Literatur und politischen Ideen Welten, die sich zwischen psychedelischem Trip und Endzeitstimmung, zwischen Utopie und verqueren Gedankenräumen bewegen. Der Entzug der Farbe verstärkt bei allen dreien die Eindringlichkeit der Bildinhalte und entrückt sie gleichzeitig noch mehr der Wirklichkeit und lässt sie zu Allegorien unseres vielfach gebrochenen Daseins werden.
Eine komplexe Installation aus grauen Holzleisten empfängt uns. Wie eine kristalline Figur zieht sie sich durch das Foyer und den Neubau des Museums. Jäger, Hibbs und Zogg schaffen mit ‹PARA/SITE› eine vielschichtige Struktur, die den Raum durchstösst und ein Spannungsfeld von Architektur, Linie und Fläche eröffnet. Als Antwort auf die Werke an der Wand schreibt sie die Zeichnung ins Dreidimensionale fort. Aus der Linie erschafft Boeschenstein ihre imaginären Traumwelten. Ihre neuesten Zeichnungen arbeitet sie aus der pastosen Schwärze der Ölfarbe heraus. Die Welten sind düster geworden, die Bildräume scheinen zu kippen und sich zu verflüchtigen. Auch Steiners meist grossflächige Werke verdichten und entgrenzen sich unablässig. Ein ungemeiner Sog geht von ihnen aus, der sich nicht nur visuell, sondern auch klanglich zu materialisieren scheint und uns doch keinen Halt gewährt. Dynamik prägt auch die Tuschezeichnungen von Jäger. Diese unterkühlten, menschenleeren Endzeitvisionen lassen wenig Hoffnung offen.
‹Weltenwürfe› vereint drei sehr eigene Positionen im Dialog. Das Zusammenspiel der Werke im Neubau ist inspirierend und lässt Raum für Querbezüge. Die von den drei Künstlerinnen je einzeln bespielten Säle erlauben es, einen vertieften Einblick in die aktuelle Produktion dieser Zeichnerinnen zu gewinnen, die auf ihre je eigenständige Art gewichtige Stimmen an der Schnittstelle von Malerei und Zeichnung und der Auseinandersetzung mit Utopie und Wirklichkeit, Raum und Zeit, Fläche und Linie sind.



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Ausgabe 9  2014
Ausstellungen Sandra Boeschenstein, Monica Ursina Jäger, Julia Steiner [13.06.14-21.09.14]
Institutionen Kunsthaus Grenchen [Grenchen/Schweiz]
Autor/in Daniela Hardmeier
Künstler/in Sandra Boeschenstein
Künstler/in Julia Steiner
Künstler/in Monica Ursina Jäger
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