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9.2014




Walid Raad


von: J. Emil Sennewald

  
Walid Raad · Scratching On Things I Could Disavow, 2014. Foto: David Huguenin


Die Schau des international gefeierten Beiruter Künstlers Walid Raad beginnt mit ‹Scratching On Things I Could Disavow›, einer seit 2007 andauernden Kernbohrung in Kultur- und Identitätspolitik. 294 von 18'000 Objekten islamischer Kunst, die an den Louvre Abu Dhabi ausgeliehen werden, hat Raad aufgenommen, Silhouetten von Vasen, Dolchen, Statuen im Video übereinander geschichtet oder Gips-Reproduktionen an die Wände gehängt. Mit Fotografien bis zur Decke der White Cube-Architektur von Sir Norman Foster, mit Farbbändern und Parkett-Reliefs erzählt er eine Bildergeschiche und wirft Fragen auf: Wessen Identität transportieren die exportierten Islam-Kunstobjekte? Welcher Ökonomie gehorchen Museen und Besuchende? Kleine Texte an den Wänden erzählen den Abstand zwischen Kunstobjekt und gelebter Kultur. Oft ist unklar, ob sie wahr oder erfunden sind. Die Methode ist bereits aus ‹The Atlas Group› vertraut, einem von 1989 bis 2004 durchgeführten Erinnerungsprojekt. Hier fragen Fotos noch dringlicher nach Gedächtnis und Gegenwart, nach der Verantwortung des Künstlers im Zeitalter kulturindustrieller Instrumentalisierung. Raads Arbeiten sind Para-Dokumente. Als Darstellung dessen, was war, erinnern sie daran, dass jedes Bild kraft Legende aktiver Gegenstand von Erinnerung werden kann - und deren Widerstand.



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Ausgabe 9  2014
Ausstellungen Walid Raad [23.05.14-14.09.14]
Institutionen Musée d'Art Contemporain Nîmes [Nîmes/Frankreich]
Autor/in J. Emil Sennewald
Künstler/in Walid Raad
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