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9.2014




Tadashi Kawamata


von: Nicola Schröder

  
links: Tadashi Kawamata · Scheiterturm/Log Tower, Mai 2013, Courtesy Kunstmuseum Thurgau. Foto: Stefan Rohner
rechts: Tadashi Kawamata · Prekäre Konstruktionen, 2014, Ausstellungansicht. Foto: Mirjam Wanner


Meist sind es mehr oder weniger schlichte Holzkonstruktionen, die auf dem Reissbrett von Tadashi Kawamata (*1953) entstehen und später mit einem Stab von Helfern in die Realität umgesetzt werden. Einzelne Aspekte dieser fast spielerisch wirkenden Werke haben allerdings hier und da schon zu starken Reaktionen geführt. Nicht jeder, der leidenschaftlich die ethische Dimension des ‹Favela Cafés› an der Art Basel 2013 mitdebattiert hat, wird auch über das übrige Werk des Japaners im Bilde gewesen sein.
Mit ‹Prekäre Konstruktionen› ist die aktuelle Werkschau Kawamatas in Warth daher in mehrfacher Hinsicht treffend betitelt. Sie bietet die Möglichkeit, das feinfühlige, materialbetonte und integrative Werk des Künstlers besser kennenzulernen. In den geschichtsträchtigen Räumen der Kartause Ittingen wurden zahlreiche seiner Projekte anhand von Entwürfen, Modellen, Fotos und Filmen neu belebt. Als begehbares Anschauungsbeispiel im Aussenraum der Kartause dient der schon im Frühjahr 2013 errichtete ‹Scheiterturm/Log Tower›, ein neun Meter hoher Turm aus aufgeschichtetem lokalem Holz. Allein sein Titel bietet eine grosse Bandbreite von Möglichkeiten zur Anknüpfung und für Interpretationen. Seine physische Entstehung ist Teil von Kawamatas Kunstbegriff. Das Wesen und der Ansatzpunkt der Projekte liegt im Prozess, der Gruppenarbeit und der sozialen Gemeinschaft. Die Arbeit an den meist grossräumigen Objekten oder Installationen, die primär aus Holz - oft auch recyceltem Material - bestehen, hat Methode. Sie ist performativ zu verstehen und trägt auch immer etwas von einer Ortsbesetzung sowie die Möglichkeit des Scheiterns in sich. So verändert sie die Wahrnehmung eines spezifischen Ortes, aber auch die grundsätzliche Raumbewertung. Als Produkt bleibt in der Regel nur Filmmaterial zurück, wie es seit Jahrzehnten schon von Gilles Coudert erstellt wird, dessen stimmungsvolle Werke jetzt in Warth zu sehen sind. Nicht zuletzt den langwierigen Bau des ‹Scheiterturms› inklusive der Stimmen von Beteiligten und Aussenstehenden hat Coudert in ein anschauliches Dokument gefasst. An den eigens von Kawamata entworfenen Videostationen in den Museumsräumen ist unter anderem der Film über die Basler Favelas, seine ‹Passage des chaises› in der Salpetrièrer von Paris sowie die Obstkisteninvasion ‹Gandamaison› in Versailles zu sehen.



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Ausgabe 9  2014
Ausstellungen Tadashi Kawamata [13.04.14-19.10.14]
Video Video
Institutionen Kunstmuseum Thurgau [Warth/Schweiz]
Autor/in Nicola Schröder
Künstler/in Tadashi Kawamata
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