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Besprechung
10.2014


Yvonne Ziegler :  Im Kunstmuseum Basel gestattet eine kleine Kabinettpräsentation Einblick in das druckgrafische Schaffen des Basler Malers, Filmemachers und Autors Werner von Mutzenbecher. Kräftigen geometrisch-abstrahierenden Formen stehen feine, mit ungestümem Strich radierte Studien nach der Natur gegenüber.


Basel : Werner von Mutzenbecher


  
Werner von Mutzenbecher · Spiel-Räume, 1990, Edition Franz Mäder, Blatt 3 von 6 Eisenätzungen, Drucker: Philippe Gallay, Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett, Geschenk Franz Mäder


Von eigener Hand druckte Werner von Mutzenbecher (*1937, Frankfurt/M) 1958 und 1964 mehrere figürliche Darstellungen. Die aufrecht thronende Haltung seiner Grossmutter betonte er durch einen schweren, stofflich fühlbaren Mantel, unter der Brust gefasste Hände und ein feines Spiel von Licht und Schatten. Ein Blatt zeigt mehrere Selbstporträts, in Duktus und Perspektive unterschiedlich, unsystematisch angeordnet. Daneben liegen zwei altmeisterlich anmutende Drucke eines Rinderschädels, mit expressiven Strichen geschaffen. In den vier Atelierstillleben von 1964 versucht Mutzenbecher Gegenstände mit mehreren schnellen kräftigen Strichen einzufangen, wodurch diese gleichzeitig massig und aufgelöst wirken.
Während den frühen Drucken biografische Offenheit anhaftet - die imposante Grossmutter, Beschäftigung mit grafischer Technik und Tradition sowie Versuche, sich selbst und sein Tun im Atelier festzuhalten - wirkt die Auswahl von Arbeiten aus den Neunzigerjahren, die mit Hilfe professioneller Drucker umgesetzt wurden, in ihrer Auseinandersetzung mit der Welt hermetischer. Die Blätter sind als Paare oder Serien angelegt, die unterschiedliche Aspekte eines Motivs beleuchten und aufzeigen, wie visuelle Wahrnehmung funktioniert. Drei Flächen und drei Linien ergänzen wir zu einem Würfel. Ein recht unsauber ausgewischter Plattendruck zeigt die Fläche eines Parallelogramms mit angesetzten Balken sowie Konstruktionslinien. Das Auge nimmt die ziemlich exakte Zeichnung als falsch wahr, da es einen perspektivisch fehlerhaft gezeichneten Tisch erkennt. Es ist aber nur ein Bild, in dem jede Linie ihre Funktion hat. Bearbeitungsspuren, Plattengrund und -rand betonen die Bildhaftigkeit, und die nie ganz präzise schaffende Hand lässt Druckfarbe auf Papier lebendig werden. So sind manche Kuben aus dichten ausfransenden Linien so geätzt, dass sie im dicken Papier räumliche Stofflichkeit entwickeln, andere Werke sind flacher gearbeitet, fungieren als Kipp- oder Positiv-Negativ-Figuren. Spielerisches treibt den Künstler um, er belebt frei stehende Wände mit Türöffnungen, lässt Stäbe im Raum imaginieren. Schliesslich ergänzen seine poetischen Worte simple Variationen eines Quaders, Urform der Behausung von Körper, Geist und Seele: «Ich liege in mir, in meinem Gehäuse, in meinem Körper spüre ich mich.»

Bis: 16.10.2014



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Ausgabe 10  2014
Ausstellungen Werner von Mutzenbecher [12.08.14-16.10.14]
Institutionen Kunstmuseum Basel/Hauptbau/Neubau [Basel/Schweiz]
Autor/in Yvonne Ziegler
Künstler/in Werner von Mutzenbecher
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