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Besprechung
10.2014


Brita Polzer :


Luzern/Zürich : Regula Michell und Meret Wandeler - häkeln for ever


  
links: Regula Michell, Meret Wandeler · 27.9.2004, 17.30 bis 19 Uhr, Wohnung Meret Wandeler, Berta­strasse 3, Zürich
rechts: Regula Michell, Meret Wandeler · 23.11.2013, 12.15 bis 14.30 Uhr, Koffermarkt, Stiftstheater, Beromünster. Elena Amrein, Zoë Brun, Elias Galati, Jon Galati, Gabi Geisseler, Sabine Hagmann u.a.


Natürlich waren die vielen Tätigkeiten, mit denen vor allem die Frauen ihre Zeit im Haushalt verbrachten, nicht nur Zeitvertreib, sondern Notwendigkeit. Aber mit dem Präparieren von Obst und Gemüse, dem Silberputzen und Sticken ging häufig Kommunikation einher. Und kaum lässt sich besser parlieren und schwatzen, wie wenn es nur so nebenbei geschieht - wenn auch der Körper ein wenig zu tun hat. Regula Michell (*1960) und Meret Wandeler (*1967) - beide Teil der früheren, kommunikative Strukturen inszenierenden Künstlerinnengruppe ‹mit› - waren nicht vorrangig an einem Gesprächsmodell, sondern an einem langfristigen Projekt für entspanntes Zusammensein interessiert, aus dem heraus zugleich etwas kontinuierlich wachse. Dieses etwas sollte einfach anzufertigen, mobil und so beschaffen sein, dass mehrere Personen gleichzeitig dran arbeiten können. Was lag näher, als eine kollektive Häkelarbeit zu erfinden, bei deren Herstellung sich Profis und Amateure mischen. Denn nicht an einem perfekten Endprodukt waren die Künstlerinnen interessiert, sondern am ganz banalen Ausprobieren und Machen - bei sich zu Hause im Familien- und Freundeskreis und ebenso in öffentlichen Räumen zusammen mit Fremden. Mindestens zwei, die beiden Künstlerinnen, sollen beteiligt sein, mindestens einmal im Monat häkelt man. Die einzig erlaubte Farbe ist rosa, verschiedene Rosatöne in Acrylwolle sind zugelassen. Und in blassen Nuancen schillert nun das weiche, sehr langsam wachsende Gebilde. Es liegt zu Füssen, hängt von Tischen herab, erinnert an Eingeweide und Fleischreste, bisweilen auch an Blumenmuster.
Auf der Website lassen sich die zehn Jahre anhand der Bilder nachvollziehen. Veränderungen weisen vor allem die älter und Eltern werdenden Künstlerinnen auf. Die Veränderungen der urbanen Umgebung zu zeigen, war nicht unbedingt von Interesse. Der städtische Kontext ist aber durchaus präsent: Der neue Max-Bill-Platz wird besessen, die Häkler/innen breiten sich auf der Baustelle Sihlcity aus - gemeinhin als weiblich und privat definierte Tätigkeiten erobern öffentliche Räume. Und über die Jahre hinweg wächst das rosa Gebilde, als Arbeitsspeicher, in dem sich das (ja doch) sinnlose Resultat eines disziplinierten und kollektiven Einsatzes zeigt - welch schöne Verschwendung! Der nächste öffentliche Auftritt findet anlässlich des 140-jährigen Bestehens der Organisation ‹Traversa - Netzwerk für Menschen mit einer psychischen Erkrankung› statt - im Rahmen des Projekts «Wir spinnen».

Bis: 04.10.2014



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Ausgabe 10  2014
Autor/in Brita Polzer
Künstler/in Meret Wandeler
Künstler/in Regula Michell
Link http://www.haekelobjekt.ch
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