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10.2014




Aarau : Sophie Taeuber-Arp


von: Niklaus Oberholzer

  
links: Sophie Taeuber-Arp · König Hirsch: Deramo (Originaltitel), 1918, Holz, bemalt, Messing, ­Metallösen, Glocken mit Stoff gefüllt, Brokat­stoff, gefüttert, 58,5x14x10 cm, Courtesy ZHdK/MfGZ. Foto: Marlen Perez
rechts: Sophie Taeuber-Arp · Cercles et barres, 1934, Öl auf Leinwand, 64x74 cm, Aargauer Kunsthaus Aarau/Anonyme Schenkung


‹Heute ist Morgen› betitelt das Aargauer Kunsthaus die Retrospektive Sophie Taeu­ber-Arps (1889-1943), die Thomas Schmutz mit sehr vielen prominenten Leihgaben, aber auch zahlreichen Werken aus den hauseigenen Beständen gestaltet hat. Der Titel signalisiert die Frische, die Unmittelbarkeit und die Eigenständigkeit dieses Schaffens. Es ist die bisher umfassendste Schau für die Avantgardekünstlerin, die wohl zu Banknoten-Ehren kam, deren kreatives Potential aber kaum wirklich im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert ist. Und es ist, nach der von Beat Wismer verantworteten Schau zum 100. Geburtstag (ebenfalls in Aarau), ihre erste grosse Einzelausstellung, die allein dieser Künstlerin gilt und sie nicht primär in einer thematischen Übersicht zu Wort kommen lässt. 300 Arbeiten sind zu sehen - darunter viele Kleinformate, was in den mehrheitlich grossen Museumsräumen etwas problematisch, doch nicht zu vermeiden ist, da Zeichnung, Druckgrafik oder Skizzen für dieses Werk bedeutsam sind: Gerade diese Arbeiten zeigen oft, mit welcher Sorgfalt die Künstlerin an die Arbeit ging und wie präzis sie ihre grösseren Werke vorbereitete - Ölmalereien oder Collagen sowie die wenigen Skulpturen und die vielen Textilien, Design-Objekte oder Möbel. Schmutz lässt angewandtes und freies Schaffen nahtlos ineinander übergehen und macht deutlich, dass es für Taeuber-Arp keine Hierarchie zwischen den Bereichen gab, obwohl ihre Ausbildung eher dem angewandten und ihre Lehrtätigkeit an der Zürcher Gewerbeschule in den Zwanzigerjahren textilem Gestalten galt. Dass die Laban-Schülerin auch als Performerin auftrat, dass sie Angewandtes und Freies komplex ineinander verwob und dass sie auch Marionetten-Figuren schuf, lässt nun ihr Schaffen auch als Gesamtkunstwerk erscheinen. Die insgesamt 16 aus gedrechseltem und bemaltem Holz und mit Textilien und Metallteilen gestalteten Figuren aus dem Jahr 1918 sind in Aarau vollständig versammelt. Sie dienten der Aufführung einer von René Morax und Werner Wolff mit Witz und Ironie aktualisierenden Bearbeitung von Carlo Cozzis 1762 entstandenem Stück ‹König Hirsch›. Diese Arbeit Taeuber-Arps war nicht nur wichtig für die Anfänge des Schweizer Marionetten-Theaters; sie fügte sich mit der Verbindung von Surrealistischem und Konstruktivem auch nahtlos ein in die gesellschaftliche und kulturelle Situation des Zürcher Dadaismus.

Bis: 16.11.2014



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Ausgabe 10  2014
Ausstellungen Sophie Taeuber-Arp [23.08.14-16.11.14]
Institutionen Aargauer Kunsthaus [Aarau/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Sophie Taeuber-Arp
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