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Hinweis
10.2014




Basel : Stephen Willats


von: Françoise Theis

  
links: Stephen Willats · Strange Attractor Series Nr. 4, 2011, Gouache und Bleistift auf Papier, Blatt 50x75 cm; Rahmen 62x87x4 cm
rechts: Stephen Willats · Strange Attractor Series No. 27, 2013, Gouache und Bleistift auf Papier, Blatt 59x84 cm, Rahmen 71,5x96x4 cm


Der englische Künstler Stephen Willats (*1943) war in den Sechzigerjahren einer der Pioniere der Konzeptkunst, sozialer Kunstprojekte und interaktiver Kooperationen in Grossbritannien. Zudem interessiert er sich seit Jahrzehnten für die aktuelle Forschung in Kybernetik, Physik, Soziologie und Psychologie und fokussiert dabei auf Systeme von Interaktionen zwischen dem Individuum, Objekten und der Gesellschaft.
In der Ausstellung zeigt Willats eine Auswahl grossformatiger Arbeiten auf Papier aus der Serie ‹The Strange Attractor›, 2010-2013. Aus den Grundelementen Farbquadrat und Pfeil bildet Willats mit Gouache und Bleistift Modelle von Netzwerken, die in ihrer Einfachheit zeichenhaft auf komplexe Systeme zwischenmenschlicher Kommunikation verweisen. Diese Zeichnungen sind in ihrer Offenheit breit zugänglich und interpretierbar und entfalten gleichzeitig ihren Sinngehalt doch erst vor dem Hintergrund von Willats' gesamtem Schaffen - einem Forschungsdispositiv aus Film, Skulptur, Installation und interaktiven Projekten, das lange vor Bewegungen wie «artists in labs» realisiert wurde.
Den Begriff ‹Strange Attractor› hat Willats vom Kybernetiker und Philosophen Heinz von Foerster (1911-2002) übernommen, der mit diesem ein dynamisches Objekt in einem chaotischen komplexen System bezeichnete. Er stellte fest, dass dieser Dynamik eine Spannung inhärent ist, die eine prekäre Konvergenz gleich dem Lernen ermöglicht. Von Foerster ging es um das Verstehen des Lebens seiner Zeit und die Erforschung der unvorhersehbaren, offenen Beziehungen in der Gesellschaft.
Wie entsteht Bedeutung? Wie verläuft Kommunikation? Wie wird Information transferiert? Dies sind die Fragen, welche das künstlerische Schaffen Stephen Willats seit Jahrzehnten antreiben und auch Teil einer Kybernetik sind, welche die Welt nicht mittels fassbarer Ursachen charakterisiert, sondern einen Ort, an dem Realität immer «im Gemacht werden» (in the making) ist. Das Zwischenmenschliche und die Interaktion von Mensch und Objekt stehen bei Willats als physisch Präsente im Zentrum. Spannend, wie seine Überlegungen auch auf eine virtuelle Realität anwendbar sind. 1974 formulierte Willats beispielsweise, dass die Art und Weise, wie jemand ein Zuhause kodiere, eine gewünschte oder schon eingenommene Stellung in einer Gemeinschaft reflektiere und eine Manifestation der gesellschaftlichen Geschichte dieser Person sei. 2014 kann diese Aussage ohne weiteres auf (virtuelle) soziale Netzwerke angewendet werden: Schauen Sie doch mal Ihr Facebook-Profil an!

Bis: 01.11.2014



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Ausgabe 10  2014
Ausstellungen Stephen Willats [05.09.14-01.11.14]
Institutionen Anne Mosseri-Marlio Galerie [Basel/Schweiz]
Autor/in Françoise Theis
Künstler/in Stephen Willats
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