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Hinweis
10.2014




Basel : Vanishing Point


von: Yvonne Ziegler

  
links: JocJonJosch · Head to Head, 2013, C-Print
rechts: Łukasz Jastrubczak · Perspective of Failure, 2013, Videostill


Die polnische Kuratorin Agnieszka Sosnowska, die seit Mai diesen Jahres im Rahmen des iaab-Gastkuratorenprogramms in Basel weilt, gibt mit ‹Vanishing Point› dematerialisierenden Strategien Raum, die Kunst als Objekt zum Verschwinden bringen und Werke zu verstecken, zu maskieren oder zu fälschen versuchen. Das präsentierbare und für den Kunstmarkt geschaffene Ding wird thematisiert und der Blick auf freie Produktionsformen gerichtet, wie sie beispielsweise in selbstorganisierten Räumen existieren. Letztere stellen eine Besonderheit dar, die Sosnowska bei ihrer Ankunft in der Schweiz ins Auge stach. Ihr kuratorisches Vorgehen beruht auf einem ergebnisoffenen Gedankenaustausch mit gleichgesinnten Künstler/innen, die sie durch Empfehlung und Recherchen vor Ort aufgespürt hat. Einen Raum der Ausstellung überliess sie dem nomadischen Off Space deuxpiece als Guestroom zur freien Gestaltung, deuxpiece wiederum vertraute diesen der ‹Waschmaschine Gruppe› an. So zeigen Füsin Ipek und Bálint Liptay, in Basel bekannt für ihre Gratis-Projekte, die Dokumentation einer Strassenaktion, in deren Verlauf sie bei Eiseskälte den Bauch einer Berliner Litfasssäule Schicht für Schicht öffneten und vergangene Ereignisse freilegten. In ‹Vanishing Point› begegnet man Florian Grafs Dokumentation eines fiktiven Künstlers, der in Auseinandersetzung mit Robert Smithsons Entropiebegriff durch die sorgsame Erfassung, Teilung und Entfernung einer bestehenden Holzhütte ein unsichtbares luftiges Werk schuf, dessen Existenz ein Museumsschild bezeugt. Roland Roos entzieht sich der Schau ganz, indem er sein Produktionsbudget einem anderen Künstler überlassen hat, der eine Installation aus etikettlosen, in Basel erstandenen Konsumgütern schuf. Unsichtbar ist auch die Performance von Florence Jung, die während der gesamten Laufzeit stattfindet. Es gilt wachsam zu sein, um ‹jung34› überhaupt wahrzunehmen. Von einer Performance des Künstlerkollektivs JocJonJosch ist immerhin ein breites Lederband zurückgeblieben, dessen Umschliessung sich die drei Künstler nach fünfstündiger Arbeit im Kollektiv entledigten. Und schliesslich schmuggelte Martin Chamosta ein Fahrzeug der Leihfirma Twingo-rent in den Ausstellungsraum, das sowohl als Transportmittel benutzbar als auch als Kunst interpretierbar ist. Die Ausstellung gibt sicherlich Anstoss zu kontroversen Diskussionen und manchem Perspektivenwechsel.

Bis: 05.10.2014



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Ausgabe 10  2014
Ausstellungen Vanishing Point [07.09.14-05.10.14]
Institutionen Ausstellungsraum Klingental [Basel/Schweiz]
Autor/in Yvonne Ziegler
Künstler/in Florian Graf
Künstler/in Roland Roos
Künstler/in Florence Jung
Künstler/in JocJonJosch
Künstler/in Martin Chamosta
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