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10.2014




Castasegna : Katalin Deér


von: Céline Gaillard

  
links: Katalin Deér · Eco Echo Garbald (Frau), 2014, C-Print ab Negativ, 31,5x21,5 cm
rechts: Katalin Deér · Eco Echo Garbald (Wollen­knäuel), 2014, C-Print ab Negativ, 21,5x31,5 cm


Katalin Deérs (*1965) Setzungen in der Villa Garbald und im Turmbau der Architekten Miller & Maranta sind keine eigentliche Antwort auf Andrea Garbalds (1877-1958) Fotografien, sondern sie hauchen ihnen Farbe, räumliche Dimensionen, Leben ein. Mit demselben Werkzeug blickt Deér aus der Gegenwart auf die Bilder des Bergeller Fotografen und thematisiert damit das, was so eng mit der Villa Garbald in Verbindung steht: das Sehen. Vor farbigem Hintergrund und von Rahmen umringt zeigt sie eine Auswahl von Garbalds Schaffen neu. Dass sie sich in die eindringlichen Fotografien von der Tal-Bevölkerung und von Landschaft einfühlen konnte, in das Farb- und Formschema beider Bauten, des historischen sowie des modernen, und in den Geist, der sie umgibt, wird in der stimmigen und präzisen Hängung spürbar. Dass meist nur eine oder zwei Arbeiten in den einzelnen Zimmern des wissenschaftlichen und kulturellen Begegnungsorts präsentiert werden, betont die Intimität, mit welcher Garbald den Alltag im peripheren Tal festhielt, und lässt inspirierenden Raum frei.
‹Eco Echo› wurde anlässlich des Jubiläumsjahres eingerichtet: Zum einen bespielt das Bündner Kunstmuseum die Villa und den Neubau seit zehn Jahren als Aussenstation. Es kommt damit dem Anspruch der Fondazione Garbald nach, die Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe zu fördern und neue Impulse zu setzen. Und: Vor 150 Jahren bezogen der Zollwächter und Humanist Agostino Garbald und die unter dem Pseudonym Silvia Andrea bekannte Autorin Johanna Gredig-Garbald, die Villa, die sie bei Gottfried Semper als räumliche Denkhülle für ihren Geist in Auftrag gegeben hatten. Der älteste Sohn der studienhungrigen Kosmopoliten, Andrea Garbald, war der einzige Berufsfotograf des Tals seiner Zeit. Mit ihrer Kamerarecherche zu dessen Werk verwischt Deér nicht zuletzt die Autorschaft: Mit der Reproduktion aus zeitlicher Distanz und neuer Perspektive wird die Rezeption gewandelt und deren Massstäbe werden verschoben. Wenn das Echo nun nachhallt, dann hat dies für das Werk des im Tal zu Lebzeiten nicht verstandenen Fotografen eine besondere Bedeutung.

Bis: 28.06.2015



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Ausgabe 10  2014
Ausstellungen Katalin Deér [01.06.14-28.06.15]
Institutionen Villa Garbald [Castasegna/Schweiz]
Autor/in Céline Gaillard
Künstler/in Katalin Deér
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