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Hinweis
10.2014




St. Gallen : Art Brut - Japan-Schweiz


von: Kristin Schmidt

  
links: Shinichi Sawada · Ohne Titel, 2010-2011, Ton glasiert, IPEC Collection
rechts: Ryoma Matsuda · An die Sterne der Galaxie glauben, 2007, Bleistift auf Papier


Seine Werke gehören zu den meistabgebildeten der letztjährigen Biennale in Venedig: Shinichi Sawada. Der Kurator Massimiliano Gioni stellte die Tonfiguren des Japaners in der Hauptschau ‹Der enzyklopädische Palast› aus. Es war nicht die einzige Aussenseiter-Position, die zur Erweiterung des Kunstdiskurses und zur Steigerung der Authentizität beitragen sollte, und es ist längst nicht der einzige Versuch dieser Art in den letzten Jahren. Nun zeigt das Museum im Lagerhaus die Werke von Sawada gemeinsam mit denen anderer japanischer Aussenseiter und zusammen mit ausgewählten Schweizer Positionen.
Die Ausstellung steht im Kontext des 150-jährigen Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Japan. Der Anlass ist also ein hochoffizieller, die Schau aber trägt ganz die Handschrift des Museums und seiner Kuratorin, Monika Jagfeld. So ist es in St.Gallen beispielsweise möglich, die fragilen Plastiken Sawadas oder die Papierfiguren Keisuke Ishinos ohne Glashaube zu zeigen. Dies steigert nicht nur ihre Präsenz, es belässt ihnen auch ihre Unmittelbarkeit.
Den japanischen Exponaten wurden Werke aus der eigenen Sammlung zur Seite gestellt. Das ermöglicht es, formale Verwandtschaften zu suchen und gleichzeitig die inhaltliche Lesbarkeit bezogen auf den jeweils anderen Kulturkreis zu reflektieren. Oder wie es von Museumsseite her formuliert wird: Ist Art Brut eine Art «global language»? Dazu wäre die Einteilung der Werke in Kategorien wie Systeme, Imaginäre Welten, Wundersames oder Phantasmagorien nicht nötig gewesen, birgt dies doch die Gefahr, dass der offene Blick auf die Werke eingeschränkt wird. Aber gerade indem viele der Kategorisierungen kaum voneinander zu trennen sind und obendrein hinterfragt werden dürfen, schärfen sie den Blick für Überschneidungen und Alternativen.
In der Vergangenheit wurden in Ausstellungen des Museums auch zeitgenössische Künstler integriert. Auch diese Schau hätte sich dafür angeboten. Angesichts des Aussenseiter-Booms in der internationalen Kunstszene ist es aber ebenso schlüssig, darauf zu verzichten. Und es kommt der Dichte der Präsentation zugute. Schade nur, dass es im Katalog aus ganz profanen Gründen nicht möglich war, auch die schweizerischen Positionen unterzubringen, denn die interkulturellen Vergleichsmöglichkeiten gehen dadurch verloren.

Bis: 09.11.2014



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Ausgabe 10  2014
Ausstellungen Art Brut: Japan - Schweiz [22.03.14-09.11.14]
Institutionen Museum im Lagerhaus [St. Gallen/Schweiz]
Autor/in Kristin Schmidt
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