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Hinweis
10.2014




Winterthur : Richard Sides


von: Philipp Spillmann

  
links: Richard Sides · Don't Blow it on the Vector, Ausstellungsansicht Kunsthalle Winterthur
rechts: Richard Sides · Don't Blow it on the Vector, 2014, HD Videostill, Courtesy Richard Sides und Carlos/Ishikawa London


In den Räumen der Kunsthalle ist es zurzeit wie im Innern eines Technostücks: Es gibt keinen statischen Ort. Raumsättigende Lichtscreens und durch Wände dringende Sounds programmieren ein simultan konstruiertes Geschehen, das Ereignisse als Inter­ventionen und Linearität als Effekt ausweist. Unter dem Arbeitstitel ‹Don't Blow it in the Vector› transportiert der Londoner Künstler Richard Sides (*1985) kon- und dekonstruktive Eigenheiten der elektronischen Musik in die mediale Textur von Film, Installation und Happening. Das findet seinen Ausdruck auf mehreren Ebenen: Deskriptiv, durch die Repetition des Arbeitstitels: als Ausstellungstitel, als Werk- bzw. Filmtitel und als gesprochener Satz im Film selbst. Konzeptuell, in Form gekoppelter Räume und Werke. Performativ, als variables Verhältnis zwischen Quellen und Ereignissen. Narrativ, durch ineinandergreifende Erzählstränge. Und inhaltlich, durch die dokumentarische Annäherung an den Kosmos der elektronischen Musik. Die Balance hält die Ausstellung durch die organische Ökonomie der Ressourcen: Licht, Sound und Objekte wirken auf mehrere Arbeiten gleichzeitig ein.
Der Film ist die sensorische Rotationsachse der Ausstellung. Narration, Bild und Ton laufen nicht synchron, sondern auf autonomen Bahnen ab, die sich zeitweise annähern, überlappen, auseinanderdriften. Die erlebte Komplexität erhöht sich zudem dadurch, dass jede dieser Bahnen aus mehreren Quellen stammt. Der Ton etwa wird über Kopfhörer und in den Räumen verteilte Lautsprecher abgespielt, läuft stellenweise synchron, setzt gelegentlich aus und wieder ein. Das Rauschen im Nebenraum kann sich abrupt zum Mittelpunkt eines Geschehens entwickeln, das in einem Bild lediglich noch visualisiert wird. Umgekehrt determinieren die narrativen Sounds des Films die akustisch dominierte Stimmung des angrenzenden, grossen Raumes.
Dort befindet sich die augenfällige Arbeit ‹Andrew Munks (aka Pandy W.)›, die sich von der rechten Wand des grossen Raums aus in die Ausstellung ausbreitet. Die überdimensionale Malerei besteht aus einem homogenen Muster aus gestisch aufgetragenen Sprühdosenlinien, das zum pulsierenden Lichtschlag am gegenüberliegenden Ende des Raumes seine Form wechselt. Darüber hinaus wird die Arbeit mit davor platzierten, grosszügig im Raum eingemitteten Lautsprechern erweitert. Abgerundet wird die Verschränkung durch einige in den Räumen deponierte, dekorative Gegenstände. Die Werke werden über die Aktionen im Nebenraum nicht nur in diesen verlängert, sondern dadurch erst geschaffen. So wirken sie im Magnetfeld ihrer wechselseitigen Verschaltung. Das flüchtige Dazwischen ist zugleich überall und nirgendwo.

Bis: 12.10.2014



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Ausgabe 10  2014
Ausstellungen Richard Sides [24.08.14-12.10.14]
Institutionen Kunsthalle Winterthur [Winterthur/Schweiz]
Autor/in Philipp Spillmann
Künstler/in Richard Sides
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