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10.2014




Yverdon : Tsunami Architecture


von: Katharina Holderegger Rossier

  
links: Christoph Draeger, Heidrun Holzfeind · ­Tsunami Architecture, 2014. Foto: Ariane Honegger
rechts: Eric Winarto · Blacklight Selva, 2014, Centre d'art contemporain Yverdon-les-Bains


Der Tsunami, der am 26. Dezember vor zehn Jahren die Küsten um den Indischen Ozean verwüstet und mehr als 230'000 Todesopfer gefordert hat, ist weiss gewaschen worden. Wohl oder übel haben wir alle die Videos und Fotos gesehen, die Touristen von der Flutwelle geschossen haben. Rund zehn Blockbuster haben sich seit 2004 über das Schicksal von Menschen gebeugt, die sich damals nicht gerade in sicherer Höhe befanden, oder ein Tsunami-Szenario in NY und LA durchgespielt. Der Zürcher Christoph Draeger, der sich seit Jahren mit der Darstellung von Katastrophen auseinandersetzt, und seine Wiener Lebenspartnerin Heidrun Holzfeind, die sich mit Architekturfilmen einen Namen gemacht hat, bieten in ihrer aktuellen Ausstellung Gegengift gegen diese Bilderflut - nicht ohne sie zu beanstanden. Neben einem auf Monitoren laufenden Found Footage all der unseligen Tsunami-Amateurbilder zeigen Fotos die grotesken Ruinen, die für den 2012 lancierten Film ‹The Impossible› mit Ewan McGregor und Naomi Watts an einem thailändischen Strand aufgebaut worden sind.
Wie stark die Katastrophe für die 1,6 Mio. Einheimischen, die damals ihre Häuser verloren haben, dagegen noch immer im Alltag präsent ist, machen fünf Videos deutlich, die das Duo 2010/2011 in Sri Lanka, den Malediven, Indien, Indonesien und Thailand aufgezeichnet hat. Ist ein Tamile stolz auf das Geschäft, das er mit dem Schadensgeld entwickelt hat, klagt eine Malediverin über Männer, die nach der Flut zu trinken begonnen haben. Vor allem aber hat sich bei den meisten Ernüchterung über die neuen, aus dem Boden gestampften Heime breit gemacht: Als überfüllt, mies gebaut, klimatisch ungeeignet und eine Faust auf das Auge werden sie noch und noch gerüffelt. Diesen architektonischen Narben geht Holzfeind weiter in dem Diapanorama ‹A house is a house› auf den Grund, während Draeger mit gestellten Fotos von Überlebenden auf die seelischen Traumata eingeht, die in solchen Momenten erhöhter Selbstwahrnehmung plötzlich wieder in Gesten und Mimik aufblitzen. Wunderbar hebt Karine Tissot, die Direktorin des Centre d'Art Yverdon, die Schau zum Schluss auf philosophische Ebene und öffnet sie gleichzeitig mit Malerei und Zeichnung auf eine exteriorisierte Innerlichkeit. So thematisiert Eric Winarto in den phosphoreszierenden Malereien eines Sternenhimmels und eines rauschenden Waldes die Ruhe und das Gewirbel, zwischen denen sich jedes Leben abspielt. Und für weiteren sinnlichen Denkstoff ist hors murs gesorgt - mit Ladina Gaudenz' Strassenimpressionen aus Thailand im Théâtre de l'Echandole und Siripoj Chamroenvidhyas Horizontbildern vom Golf von Siam im Théâtre Benno Besson, ehe Eric Winarto im Centre Pro Natur Champ nochmals zu Wort kommt.

Bis: 26.10.2014



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Ausgabe 10  2014
Ausstellungen Tsunami Architecture [30.08.14-26.10.14]
Institutionen Centre d’art contemporain [Yverdon-les-Bains/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Link http://www.theatrebennobesson.ch/
Link http://www.echandole.ch/
Link http://www.pronatura-champ-pittet.ch/
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