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Hinweis
10.2014




ZUg : Dieter Roth


von: Niklaus Oberholzer

  
links: Dieter Roth · Selten gehörte Musik, Abschöpfsymphonie. Die Abschöpfung, Konzert in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München, 3. Feb. 1979, Courtesy Dieter Roth Estate/Hauser & Wirth. Foto: Roland Fischer
rechts: Dieter Roth · Bar 1 (lautloses Bild mit Bar), 1983-1997, Baraufbau aus Holz mit Assem­blage, Collage, Malerei, Musikanlage, Musikinstrumente, separatem Werkzeugkoffer und Videorecorder, ca. 315x120x325 cm


Christian Ludwig Attersee, Hermann Nitsch, Oswald Wiener und Gerhard Rühm, legendäre Grössen ihrer Zeit und ihrer Sparten, werden im November in Zug und Basel ‹Selten gehörte Musik› zur Aufführung bringen. Nicht mehr dabei ist Dieter Roth (1930-1998), der mit eben diesen Freunden und in Konzerten mit diesem Titel in den Siebzigerjahren für Furore sorgte. An seine Stelle tritt jetzt der improvisierende Musiker Walter Fähndrich, ein Grenzgänger zwischen den Medien auch er, wenn auch nicht im Ausmass von Dieter Roth, dem das Kunsthaus Zug nun eine grosse Ausstellung widmet. Dazu gehört der Auftritt der «alten Garde», denn die Schau gilt in erster Linie dem Musiker Roth. Der ist aber wiederum nicht zu trennen vom Zeichner, Maler, Schmuckdesigner, Fotografen, Filmer, Dichter und Autor raumgreifender Installationen - vom Künstler also, der seinen Alltag in all seinen Aufsplitterungen und Gegensätzlichkeiten und in all seinem Schillern zwischen Privatem und Öffentlichem zu Kunst werden liess. Erstaunlich, dass es sich beim von Matthias Haldemann in Zusammenarbeit mit der Musikakademie Basel (Michel Roth) und den Edizioni Periferia, Luzern (Flurina Paravicini) verantworteten Unternehmen um die erste Ausstellung handelt, die den Musiker ins Zentrum rückt. Dass das Museum ein immenses Material ausbreiten kann, das dem Publikum einiges an zeitlicher Investition in Lektüre von Texten, in Erforschen von Bildmaterial und in Hören von Tondokumenten abverlangt, ist auf die mehrere Jahre umfassende Recherche aller Beteiligten zurückzuführen. Das Kunsthaus führt in klug rhythmisierter Abfolge der Räume in das musikalische Universum Roths ein. Hier lassen sich lange Video-Interviews mit Weggefährten Roths verfolgen, dort werden wir in Film und Ton Zeugen seiner Auftritte in der Gruppe oder als Solo-Improvisator am Klavier. Andernorts geht es um Bildzeugnisse oder um Literarisches - etwa den genialen Essay ‹Wer war Mozart?›, 1971, der im einzigen Satz «Ich weiss es nicht» besteht. Ein Raum ist der für Roth selber zentralen Hundegebell-Arbeit ‹Tibidabo› vorbehalten. Am Ende des Rundgangs wird's chaotischer - etwa im Raum mit den (wohl bald verstummenden) Abspielgeräten, Zeichnungen, Malereien, Polas, Bar-Objekten und dem Bösendorfer von 1906, den sich Roth zum Spielen, Bemalen und Bekleben erwarb.

Bis: 11.01.2015


mit Publikationen, inkl. LP; Konzerte in Zug und Basel, am 5./6.11.



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Ausgabe 10  2014
Ausstellungen Dieter Roth [06.09.14-11.01.15]
Video Video
Institutionen Kunsthaus Zug [Zug/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Dieter Roth
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