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Besprechung
11.2014


Daniela Hardmeier :  Mit ernsthafter Unverfrorenheit heben Aubry und Broquard Schätze aus dem postmodernen Alltagsdesign und unserer Freizeitkultur. Zu ihren Strategien gehören basteln, sampeln, kombinieren und interpretieren. Dabei bewegen sie sich mitunter hart an der Grenze von Kitsch und schlechtem Geschmack.


Glarus : Bastien Aubry/Dimitri Broquard - Das Potential des Banalen


  
links: Bastien Aubry/Dimitri Broquard · Wall Paintings, 2014, Installation, Spanplatten, Zement, Metall, Porzellan, Engobe, Glasur. Foto: David Aebi
rechts: Bastien Aubry/Dimitri Broquard · 1982, 2014, Installation, gefundene Objekte, Styropor, Farbe. Foto: David Aebi


Unser Alltag ist durchsetzt mit Dingen, die sich als Designobjekte ausgeben, bei vertiefter Betrachtung aber nur Lächerlichkeiten darstellen. Aus diesem Friedhof endgültig totgeglaubter Geschmacksverirrungen hebt das Künstlerduo Bastien Aubry und Dimitri Broquard wahre Schätze. Betritt man in Glarus den Seitenlichtsaal, sieht man sich unmittelbar einer Skyline aus CD-Ständern der Achtzigerjahre gegenüber. Auf bemalten Styroporsockeln museal präsentiert und zu wohl austarierten Gruppen zusammengefügt, erinnern sie an Skulpturen der klassischen Moderne. Ihnen gegenübergestellt sind mit rauem Aussenputz behandelte Wandversatzstücke, darauf wurden Infoschaukästen montiert. Statt der üblichen Informationen zur Benutzung der Waschküche oder den Schliesszeiten der Haustüre beherbergen sie wunderbar mehrdeutige Collagen. Über dieses spannungsvolle Setting legt sich die Musik des Komponisten Philip Schaufelberger, eingespielt mit den ausgestellten CD-Ständern. Im fein abgestimmten Zusammenspiel beginnen uns klassische Zuordnungen zu entgleiten. Dafür gewinnen wir die Einsicht, dass auch im Banalen und Hässlichen ein Potenzial für Schönheit und Reflexion steckt. Aubry/Broquard haben mit sicherem Gefühl für die Dimensionen des Raums eine dichte und vielschichtige Installation entwickelt. Ähnlich geht das Künstlerduo im Oberlichtsaal vor, der jedoch eine verspieltere Variante ihrer Themen darstellt. Ebenfalls verputzte Spanplatten haben sie zu labilen Architekturen zusammengefügt, die ihrerseits wiederum Träger für Porzellanobjekte werden. Alles scheint hier zu kippen, die Keramikobjekte changieren zwischen abstrakter Form und Alltagsgegenstand, das Display lässt sich als Kommentar zum zumeist aseptisch anmutenden modernen Design interpretieren.
Aubry und Broquard sind neugierige Tüftler, die sich einen frechen, streckenweise amateurhaften Zugang zu ihren Themen bewahren. Sie spielen gekonnt auf der Klaviatur einer trashig anmutenden Ästhetik, wobei der Poesie des Scheiterns und der Schönheit des Unvollkommenen grosse Bedeutung zukommen. Ob daraus immer tiefschürfende Erkenntnisse resultieren, bleibe dahingestellt. Anregend und im besten Sinn unterhaltend ist dies allemal und man verlässt die Ausstellung mit dem Gefühl, auf hintersinnige Art zum Nachdenken über die verborgene Bedeutung von Banalitäten angeregt worden zu sein. Ein Besuch in Glarus lohnt auf jeden Fall, denn parallel wird - ebenso sehenswert - Saâdane Afif gezeigt.

Bis: 23.11.2014



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Ausgabe 11  2014
Ausstellungen Saâdane Afif, Bastien Aubry, Dimitri Broquard [24.08.14-23.11.14]
Institutionen Kunsthaus Glarus [Glarus/Schweiz]
Autor/in Daniela Hardmeier
Künstler/in Bastien Aubry
Künstler/in Dimitri Broquard
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