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Besprechung
11.2014


Angelika Affentranger :  Die Ausstellung im Helmhaus Zürich, die Arbeiten von Albrecht Schnider aus den verschiedensten Schaffensphasen vereint, gewährt in der überlegten Auswahl und Inszenierung der Werke im Raum einen essentiellen Einblick in dieses komplexe und bedeutende zeichnerische und malerische Werk.


Zürich : Albrecht Schnider - Zusammenschau von Bild und Raum


  
Albrecht Schnider · Ausstellungsansicht, 2014, Helmhaus Zürich. Foto: Georg Sidler


So hat man die Räume des Helmhauses noch nie erlebt und so hat man Albrecht Schniders (*1958) Arbeiten noch nie gesehen: Raum und Bild verbinden sich zur spannungsvollen Einheit. Der Künstler und der Helmhauskurator Simon Maurer haben mit Zeichnungen, Bildern und einigen Assemblagen aus verschiedenen Schaffensphasen eine ebenso kluge wie sinnliche Rauminstallation entworfen. Da bildet die Tür eines violett gestrichenen Saals den Rahmen für ein Bild im dahinter liegenden Raum. Ein kleines Landschaftsbild wiederum, das sich selbstbewusst auf der weissen Wand im gleissend hellen Ausstellungssaal behauptet, nimmt das Violett des Nebenraums wie einen wärmenden Abglanz in sich auf. Es sind wenige Werke zugegen und jedes hat seinen ausgewählten Platz, ein jedes ist Protagonist in dieser minimalistischen Aufführung.
Die Zusammenschau der Werke macht die Essenz dieser Arbeit bewusst: Schnider reflektiert in seiner Malerei die Malerei. Er spielt darin wie beiläufig etwa auf Pontormo, Léger, Schlemmer oder Vallotton an, doch bleibt es beim blossen Verweis, denn die Vergangenheit ist bei ihm nie in der Gegenwart aufgehoben. Sie wird darin nur verlebendigt und erweitert. Dasselbe gilt für die früheren Phasen im eigenen Schaffen. Auch da gibt es vielerlei Verbindungslinien zu ziehen. In einer frühen expressiv aufgeladenen Kohlezeichnung versinken zwei dunkle Augen in einem Gesicht wie Höhlen im Gebirge. Dieses Werk dialogisiert übers Eck mit einem später entstandenen Gemälde eines aus vielen Farbschichten gewachsenen Gesichts, auch dieses intim und melancholisch. In einer grösseren Konstruktionszeichnung geht der Künstler den emotionalen Impuls durch ein konzeptuell analytisches Verfahren distanzierter an, das Gesicht ist nun entleert, ist zur spiegelartigen Projektionsfläche geworden. Erst recht wirksam wird dieser Akt der Entpersönlichung in den zum Teil monumental wirkenden Leinwänden, in denen der handschriftliche Gestus des Farbauftrags durch das maschinelle Aufsprühen von Lackfarbe ersetzt wurde. Dennoch ist in diesen intarsienartig ineinandergreifenden Flächen die ursprüngliche Emotionalität und Bewegung nicht verloren, bloss in eine kontrolliert konstruktive Form überführt. Das Zeichen- und Chiffrenartige der Bilder ist aus dem Zeichnerischen hervorgegangen. Die beiden Gestaltungsbereiche nähern sich in den neuesten Arbeiten einander an, sind nun gleichzeitig möglich.

Bis: 16.11.2014



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Ausgabe 11  2014
Ausstellungen Giacomo Santiago Rogado, Albrecht Schnider [26.09.14-16.11.14]
Institutionen Helmhaus [Zürich/Schweiz]
Autor/in Angelika Affentranger
Künstler/in Albrecht Schnider
Künstler/in Giacomo Santiago Rogado
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