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Besprechung
11.2014


Katharina Holderegger Rossier :  Sieben Jahre nach dem tragischen Aus der BIM ist Andrea ­Bellini, Yann Chateigné und H.-U. Obrist im Centre d'art contemporain (CAC) diesen Herbst eine wunderbare Neuedition gelungen. Sind die Performances und Gespräche bereits Geschichte, leuchten und rauschen die Videos noch.


Genève : ‹Biennale des images en mouvement› - Wiedererwacht



links: Alexander Carver & Daniel Schmidt · La Isla está Encantada con Ustedes, 2014, Videoinstallation, Ausstellungsansicht Biennale des images en mouvement. Foto: Annik Wetter
rechts: Ed Atkins · Happy Birthday!!!, 2014, Videoinstallation, Ausstellungsansicht Biennale des images en mouvement 2014. Foto: Annik Wetter


Die 14. BIM eröffnete mit einer Hommage an den 2008 verstorbenen Gründer des Festivals. Als Elektroniker und Sozialarbeiter begann André Iten 1985 als Leiter des Jugendhauses Saint-Germain die ersten Präsentationen künstlerischer Arbeiten in den neuen Medien zu organisieren, ehe er 1985 das Centre d'image contemporaine (CIC) gründete und die erste BIM damals noch unter dem Titel ‹Semaine internationale de vidéo› durchführte, die in der Tat schon bald die Crème der Videokunst von LA bis Tokyo anzog. Dem kulturpolitischen Druck 2007, sein CIC aufzulösen, die Videosammlung dem MAMCO zu übergeben und die Austragung der BIM dem CAC abzutreten, war Iten indes trotz der weiteren Einbindung in das Schicksal des Mediums in Genf als Leiter der Mediathek des MAMCO nicht gewachsen.
Nach der entgleisten 13. BIM 2010 stand der neue Leiter des CAC seit 2012, Andrea Bellini, vor der Frage, wie das Festival der seit der Eröffnung der HD-Internetplattformen vimeo 2004 radikal aufgebrochenen Szene angepasst werden könnte. Mutig entschied er sich im Austausch mit Hans-Ulrich Obrist (Serpentine Gallery) und Yann Chateigné (HEAD), die 14. BIM exklusiv mit 22 thematisch freien Auftragswerken von spannenden jungen Video- sowie Performancekünstler/innen zu bespielen.
Werden die vier Performances erst bei den nächsten Stationen der nun tourenden BIM wiederaufgeführt (dabei das antike Bankett energievoll erneuernde ‹Occasion› von Isabel Lewis nicht verpassen!), laden 18 Videoinstallationen nach wie vor dazu ein, sich von der Freiheit, aber auch der gedanklichen Tiefe zu überzeugen, welche die Generation der unter Vierzigjährigen in das Medium einfliessen lässt. Besonders eindrücklich sind die drei Arbeiten, die den Körper nicht narzisstisch ausloten, wie man dies seit Rosalind Krauss' Aufsatz von 1976 dem Video oft vorgeworfen hat, sondern im Brennpunkt Nationalismus und Kolonialismus sowie umgekehrt Gastfreundschaft: So zeigt Gabriel Abrantes eine Soap Opera über einen Anschlag mit Koli-E-Bakterien in Portugal, während Alexander Carver & Daniel Schmidt Bilder der Ankunft der Spanier 1511 und der Kampagne gegen Pocken 1804 in Porto Rico mit heute dort in Bordellen geführten Dialogen überblenden. Ed Atkins wiederum thematisiert ausgehend vom Werk Pierre Klossowskis ‹Disputatio Fratris Damiani› Heilen und Pflegen paradoxerweise in einem distanzierten, rein computergenerierten Video als Sadomaso, Parasitismus, Metastase und Gnade.

Bis: 23.11.2014



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Ausgabe 11  2014
Ausstellungen Biennale de l'Image en Mouvement 2014 [18.09.14-23.11.14]
Institutionen Centre d'Art Contemporain [Genève/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
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