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11.2014




Mulhouse : Um Haaresbreite


von: J. Emil Sennewald

  
Vincent Ganivet · C.3.3.1, 2014, Skulptur, Kunsthalle Mulhouse ©ProLitteris


Elfen helfen. So schlicht der Reim, so wichtig die Erkenntnis: Das Erfinden von Geschichten ist notwendig für die menschliche Psyche. Sie tragen nach aussen, was innen unaushaltbar ist. Durchs Weitererzählen zu Legenden, zu Mythen geworden, kehren sie später als alte Bekannte zurück. Nehmen den Einzelnen freundlich auf in banger Zeit. Trösten, wenn was schief läuft. Dem Scheitern und wie man mit ihm erzählerisch umgeht, widmet sich ‹Um Haaresbreite›. Sieben Künstler erzählen von Ereignissen, bei denen es knapp wurde. So erinnert Radenko Milak mit einem Aquarell an Ernest Shackletons gescheiterte Antarktis-Expedition 1914-17. Bei drohender Katastrophe darf der mit seinen prekären Ziegelsteinbögen bekannt gewordene Vincent Ganivet nicht fehlen. Erneut hat er einen dreibeinigen Bogen aufgestellt. Ob er einstürzt, wie jener in der Kunsthalle Karlsruhe 2011? Politischer geht die Videoaktivistin Bouchra Khalili vor, stellt politische Minderheiten dar. In ‹Chapter 1 : Mother Tongue› aus der ‹Speeches-Serie› von 2012-13 rezitieren fünf nach Paris Exilierte von ihnen gewählte Texte politischer Denker, übersetzt in ihre Sprachen, die teils keine Schriftform kennen, wie das Malinke in Mali oder das Dari in Afghanistan. Die Übersetzung ins Video zeigt eindrücklich, wie Weitererzählen hilft, Bestehendes zu gestalten.

Bis: 16.11.2014



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Ausgabe 11  2014
Ausstellungen Il s’en est fallu de peu [18.09.14-16.11.14]
Institutionen La Kunsthalle [Mulhouse/Frankreich]
Autor/in J. Emil Sennewald
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