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Hinweis
11.2014




Vaduz : Enlightened


von: Karlheinz Pichler

  
links: Christian Herdeg · Large Salmon, I-III, 2012 - Neon, Metallröhren, Acryl auf Leinwand
rechts: Hanna Roeckle · Aquarius, 2014 - Autolack auf Epoxyharz-Laminat


Im Unterschied zu den Malern, die das Licht auf Bildern einfangen und domestizieren wollen, beschreiten die Lichtkünstler den anderen Weg. Sie setzen das Licht frei, entlassen es in den Raum. Lichtkunst ist eine Kunst der Präsenz. Sie ist dann gegenwärtig, wenn der/die Betrachter/in gegenwärtig ist. Unter dem Titel ‹Enlightened› präsentiert die Vaduzer Galerie am Lindenplatz vier Kunstschaffende, die sich speziell mit dem Phänomen Licht auseinandersetzen.
Christian Herdeg (*1942, Zürich) etwa zählt nicht nur in der Schweiz, sondern auch international zu den Pionieren der Lichtkunst. Formal ist er in der Nähe der Schweizer Konkreten und der Minimal Art zu sehen. Er geht zumeist von geometrischen Grundformen wie Kreis, Quadrat und Linie aus. Bei Arbeiten wie etwa ‹Large Salmon› erzeugen Argonlichtröhren weit ausstrahlende Lichtfelder. Dabei bringt die Gegenüberstellung von Licht- und Pigmentfarben Bewegung ins Spiel. Die optischen Eigenschaften farbigen Lichts und die Wirkung auf den Betrachter sind zentrale Anliegen Herdegs.Bei den Werken der Künstlerin Hanna Roeckle (*1950, Vaduz) stehen konstruktives Kalkül und geometrische Strenge in einem vielschichtigen Dialog mit der Sinnlichkeit eigenwilliger Farb­strukturen. Von Roeckle, die auch wissenschaftliche und architektonische Fragestellungen in ihr Schaffen mit einbezieht, ist ein Polyeder aus Epoxidharz zu sehen, dessen Seitenkanten sich in einem geheimnisvollen Farbenspiel aufzulösen scheinen. Die kristalline Beschaffenheit des Autolacks, mit dem das Polyeder überzogen ist, führt dazu, dass sich je nach Standort und Lichteinfall die spiegelnde Oberfläche des Körpers von einem blaugrünen in einen warmrötlichen Farbton wandelt.
Der Umgang mit dem «Material» Licht könnte bei François Morellet (*1926, Cholet) und Keith Sonnier (*1941, Mamou) unterschiedlicher kaum sein. Morellets präsentierte Beiträge setzen auf quadratischen Grundformen auf und sind in einem strengen Schwarz und Weiss gehalten. Die Werke strahlen einen fast magischen Minimalismus aus, auch wenn sich der Künstler selber als einen «ungläubigen Orthodoxen» bezeichnet, dem Ironie, Spott und Frivolität wichtig scheinen, «um Quadrate, Systeme und alles Übrige verdaulich zu machen».
Gegenüber der rigorosen Geometrie Morellets nehmen sich die Lichtarbeiten Sonniers geradezu lyrisch und poetisch aus. Sonnier führt schlaufen- und linienförmige Lichtstäbe zu durchlässigen Formstrukturen zusammen, die ihr farbiges Licht in den Raum abgeben. Seine Werke, die ihre Zeichenhaftigkeit oft von der Natur ableiten, so ‹Palm Blatt›, 2000, zielen auf eine ganzheitliche Wahrnehmung von Raum, Licht und Bewegung.

Bis: 02.11.2014



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Ausgabe 11  2014
Ausstellungen Christian Herdeg, François Morellet, Hanna Roeckle, Keith Sonnier [05.09.14-22.11.14]
Institutionen Galerie am Lindenplatz [Vaduz/Liechtenstein]
Autor/in Karlheinz Pichler
Künstler/in François Morellet
Künstler/in Keith Sonnier
Künstler/in Christian Herdeg
Künstler/in Hanna Roeckle
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