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Hinweis
11.2014




Zürich : Echolot


von: Deborah Keller

  
links: Monika Stalder · Georgian Entrance, 2014, Malerei auf Holz, 207x600 cm
rechts: Thomas Haemmerli · Sowjet Mosaic ­(Firefighter 1), 2009-2014, 30x45 cm, Serie Sowjet-Mosaiken in Georgien, Fotografie ©ProLitteris


Künstler sind - der Vergleich ist nicht neu - wie Schwämme. Sie saugen die Eindrücke ihrer Umgebung auf, um diese später direkt oder indirekt in ihren Werken zu verarbeiten. Gerade deshalb sind Austauschprogramme für Kunstschaffende so wertvoll, weil sie ihnen nebst Kontaktmöglichkeiten auch neue kreative Impulse liefern. Diese Beeinflussung durch das Umfeld ist Thema der Ausstellung ‹Echolot› in der BINZ39, die vor dem Hintergrund eines Künstleraustauschs zwischen Zürich und Tbilisi, Georgien, entstanden ist. Das Projekt wurde Ende 2011 von der Stiftung BINZ39 und dem CCA (Center of Contemporary Art, Tbilisi) lanciert mit dem Ziel, jährlich zwei Künstler/innen oder Kurator/innen aus der Schweiz bzw. aus Georgien einen Werkaufenthalt von drei bis vier Monaten im jeweiligen Gastland zu ermöglichen. Der Umstand, dass seither vier Kunstschaffende aus Georgien in der BINZ39 gastierten, Monika Stalder aber die bisher einzige Schweizer Austauschkünstlerin im CCA war - das zurzeit an der Renovation seiner neuen Lokalität ist -, zeugt davon, dass der Kunstszene in Georgien wesentlich mehr Hindernisse im Weg stehen als in unserem Land der wirtschaftlichen und politischen Stabilität.
Der georgischen Kuratorin Ana Gabelaia, die ebenfalls innerhalb des Residency-Programms die Schau realisierte, liegt es jedoch fern, auf Umstände und Probleme im einen oder anderen Umfeld hinzuweisen. Vielmehr möchte ‹Echolot› - wie das gleichnamige Gerät aus der Schifffahrt zur Messung der Wassertiefe - der erlangten ‹Beziehungstiefe› zwischen den beiden Gaststaaten nachgehen und der Frage, wie die Gegebenheiten eines Aufenthaltsorts die Werkproduktion beeinflussen. So wurden auch Künstler zur Ausstellung eingeladen, die nicht am Austauschprogramm beteiligt sind, die aber Bezug zu beiden Ländern haben. Alena Boika und Thomas Haemmerli etwa haben eine umfangreiche dokumentarische Fotoserie von verfallenen sowjetischen Mosaiken in Tbilisi angelegt. Koka Ramishvili, georgisch-estonischer Herkunft und schon lange in Genf ansässig, war in den Neunzigerjahren eine der wichtigen Triebkräfte für die Kunstszene von Tbilisi. Er zeigt sein erstes in Genf entstandenes Werk, das Video ‹Drawing Lesson›, in dem eine hektisch zeichnende Hand Gedankenbilder laufend kreiert und wieder eliminiert. Eindrücklich auch der Clip ‹Social Ballet› des BINZ39-Stipendiaten Vajiko Chachkhiani, das den georgischen Brauch, sich beim Anblick einer Kirche stets zu bekreuzigen, kritisch reflektiert. Die kleine, feine Schau hält vielerlei Entdeckungen bereit und macht deutlich, dass eine Unterteilung in schweizerische oder georgische zeitgenössische Kunst müssig ist - der Austausch ist das, was zählt.

Bis: 01.11.2014



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Ausgabe 11  2014
Ausstellungen Echolot [21.06.08-24.08.08]
Institutionen Ludwig Forum für internationale Kunst [Aachen/Deutschland]
Autor/in Deborah Keller
Link http://www.binz39.ch/
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