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Besprechung
12.2014


Daniela Hardmeier :  Shirana Shahbazi erforscht die Komplexität des fotografischen Bildes. Sie setzt Fotografie als Mittel der Distanznahme und Verfremdung ein und zwingt uns so zur visuellen Reflexion. In der Kunsthalle Bern führt sie einmal mehr die Vergeblichkeit der Darstellung von Realität vor Augen.


Bern : Shirana Shahbazi - Monstera


  
links: Shirana Shahbazi · Ohne Titel, 2014, Lithographien. Ausstellungsansicht. Foto: Gunnar Meier
rechts: Shirana Shahbazi · Ohne Titel, 2014, Lithographien. Ausstellungsansicht. Foto: Gunnar Meier


Betritt man den Eingangsraum, sieht man sich einer grau gestrichenen Wand gegenüber, darauf ein einziges Foto, das ein im Wasser schreitendes Mädchen zeigt. Einer Einladung gleich folgt man diesem Eintrittsbild in die Ausstellung. Erst nachträglich wird bewusst, wie sehr dieses Bild und die unaufdringliche, aber umso dezidierter Position beziehende Wandfarbe eine Grenze zwischen aussen und innen markiert. Die Ausstellung ‹Monstera› von Shirana Shahbazi vereint zwei Werkgruppen unterschiedlicher Prägung. Im Erdgeschoss zeigt die Künstlerin Urlaubsbilder einer Reise, die sie diesen Sommer von Zürich nach Teheran geführt hat. Bilder der Familie stehen neben kuriosen Stadtansichten, Landschaften neben solitären Aufnahmen einzelner Dinge. Shahbazi konfrontiert uns mit vermeintlichen Erinnerungsbildern, die sie so weit voneinander und der eigenen Geschichte isoliert, dass aus dem Pseudo-Dokumentarischen Fragmente werden, die keine Geschichte mehr erzählen und allein für sich selbst stehen. Dass die Künstlerin Lithografien zeigt und nicht Abzüge, pointiert diese Entfremdung zusätzlich. Es sind Bilder, die sich nicht einfach erschliessen, die man aushalten muss. Ihre Präsenz wird markant gesteigert durch die kräftigen Wandfarben, die nicht nur Bildgrund, sondern vielmehr eine Rauminszenierung darstellen. Zu den Fotografien gesellen sich die Räume mit ihren prägnanten Leisten, Türfassungen und prominent platzierten Heizkörpern. Die unterschiedliche Wertigkeit ist aufgehoben, das Gesamte fügt sich zu einem skulpturalen Ensemble zusammen. Shahbazi hat die Farbabfolge präzis komponiert, wodurch Bezugnahmen zu den Bildern entstehen, die mal anziehend, mal abstossend wirken. Die Durch­blicke erzeugen einen Fluss, dem man sich gern hingibt. Leichtigkeit paart sich so mit konzeptioneller Strenge und der Erforschung visueller Reflexion.
Im Untergeschoss zeigt die Künstlerin eine Serie mit grossformatigen Aufnahmen der Zimmerpflanze Monstera. Die Silbergelatine-Abzüge kommen ungemein grafisch daher und zeigen das Banale dieser Pflanze ins Monströse überhöht. Auch sie stehen als eine weitere Ebene der Befragung von real und abstrakt oder dokumentarisch und konstruiert. Nur, was theoretisch nachvollziehbar ist, löst dieser Teil der Ausstellung nur partiell ein, die Fotografien bleiben seltsam flach und in ihrer Über-Ästhetik etwas ausdruckslos. Der erste Teil der Ausstellung könnte in seiner geschlossenen Dichte gut für sich allein stehen.

Bis: 07.12.2014



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Ausgabe 12  2014
Ausstellungen Shirana Shahbazi [25.10.14-07.12.14]
Institutionen Kunsthalle Bern [Bern/Schweiz]
Autor/in Daniela Hardmeier
Künstler/in Shirana Shahbazi
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