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Besprechung
12.2014


Alice Henkes :  Der britische Künstler Antony Gormley hat für das Zentrum Paul Klee/ZPK ein dem eigenen Körper angepasstes Skulpturenensemble entwickelt, das Reflexionen zum Verhältnis von Mensch, Natur und Kosmos nahelegt und das durch seine strenge und doch belebte Form beeindruckt.


Burgdorf : Antony Gormley - Das Persönliche ins Universelle überführen


  
links: Antony Gormley · Expansion Field, 2014, 60 Stahlskulpturen, Installation, Zentrum Paul Klee. Foto: Maria Horst
rechts: Produktion Expansion Field. Foto:Antony Gormley Studio


Die Rauminszenierung ‹Expansion Field› von Antony Gormley (*1950)evoziert den Eindruck einer Stadt, die bedrohlich und vertraut zugleich wirkt. Sechzig grossformatige, aus kubischen Formen zusammengesetzte Objekte aus Corten-Stahl bilden ein Raumgefüge, streng geordnet und doch von einer Bewegung, einer Unruhe durchzogen. Nicht zwei der teils riesigen Objekte sind gleich in Form und Ausmass. Wiewohl sie alle auf der gleichen Grundform basieren, der des menschlichen Körpers, genauer gesagt, der des Körpers von Antony Gormley. Der britische Künstler beschäftigt sich intensiv mit den Möglichkeiten der Skulptur und der Frage nach dem Verhältnis zwischen Mensch, Natur und Kosmos. Eine seiner Methoden besteht darin, Körperformen nachzuzeichnen, zu vergrössern (expandieren) und ins Unbegrenzte zu denken. Drei ältere Arbeiten verdeutlichen diese Arbeitsweise. ‹Floor›, 1981, aus schwarzen Kautschukbändern gefertigt, zeigt die Umrisslinie der Füsse des Künstlers. In konzentrischen Ringen legen sich weitere Bänder um die Fussform in der Mitte, dabei verliert sich die ursprüngliche Form, vereinfacht sich zu einem Kreisgebilde.
Ebenso verhält es sich mit den Skulpturen im ‹Expansion Field›. Für die eigens für das ZPK geschaffene Installation liess Gormley den eigenen Körper in unterschiedlichen Posen mit einem 3D-Scanner erfassen und vergrösserte das so gewonnene Modell, bis sich die Konturen in geometrischen Formen auflösten. Diese liess er aus Corten-Stahl-Platten nachbauen. In einigen Skulpturen ist die ursprüngliche ­Pose noch spürbar. Gormley überführt mit seinem Verfahren das Körperliche ins ­Architektonische und das Persönliche ins Universelle. Die mit dem Stahl assoziierte Dauerhaftigkeit spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Anthrazitfarbe des Materials, die für Gormley jene Dunkelheit spiegelt, die man wahrnimmt, wenn man die Augen schliesst und sich der Dunkelheit und Begrenztheit des eigenen Körpers bewusst wird, sich dabei aber zugleich, wie er sagt, «in einem grenzenlosen, sich stetig ausdehnenden Raum ohne Dimension befindet. Dieser intime Erfahrungsbereich besitzt dieselben unendlichen Eigenheiten wie der Nachthimmel.»
Mit Gormley lädt das ZPK erstmals einen Künstler ein, eine grössere Intervention vorzunehmen. Hinter der programmatischen Öffnung des Hauses stand der Wunsch, den grossen Saal einmal so nutzen, wie er von Renzo Piano gestaltet wurde, ohne all die Zwischenwände, die nun für einmal entfernt werden konnten.

Bis: 11.01.2015



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Ausgabe 12  2014
Ausstellungen Antony Gormley [05.09.14-11.01.15]
Institutionen Zentrum Paul Klee [Bern/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Antony Gormley
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