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Besprechung
12.2014


Daniela Hardmeier :  Massenüberwachung, Schutz der eigenen Persönlichkeit und Bildermacht versus Anonymität, freie Meinungsäusserung und rechtsfreier Raum: Stichworte, welche die Kunst Halle St. Gallen in ‹The Darknet - From Memes to Onionland. An Exploration› mit prägnanten und eindringlichen Werken verhandelt.


St. Gallen : ‹The Darknet› - Expeditionen in die Tiefen des Internets


  
links: !Mediengruppe Bitnik · Random Darknet Shopper, 2014 (Detail). Foto: Gunnar Meier
rechts: Archiv Valentina Tanni · The Great Wall of Memes, 2012-2014; Simon Denny · The Personal Effects of Kim Dotcom, 2013/2014, Ausstellungsansicht Kunst Halle Sankt Gallen. Foto: Gunnar Meier


Seit den Enthüllungen von Edward Snowden hat das Internet seine Unschuld - sofern es denn je eine hatte - unwiederbringlich verloren. Die Tragweite unseres Überwachtseins im WWW hat einen Bereich des Internets in den Fokus der Öffentlichkeit geholt, der bis dahin meist unbekannt war: das Darknet. Als der verborgene Teil des Internets, in den man nur via spezielle Router gelangt und der eine grösstmögliche Anonymität verspricht, geniesst dieser Raum einen zweifelhaften Ruf. Zum einen gilt er als ein Ort, an dem freie Meinungsäusserung noch möglich ist, zum anderen als rechtsfreier Raum voller Kriminalität.
Die Themenbereiche Überwachung und Bilderflut, Illegalität und demokratisches Potenzial markieren die Eckpunkte dieses breit angelegten Projekts, das eine Kooperation mit dem Künstlerkolletiv !Mediengruppe Bitnik und dem Projekt :digital brainstorming des Migros-Kulturprozents ist. Entstanden ist eine anregende, nachdenklich stimmende und teils beklemmende Ausstellung mit Werken von Pionieren, welche die Strukturen und das Potenzial des Internets hinterfragen. Trotz des abgründigen Themas verliert die Ausstellung das Lustvolle und den Humor nicht, wie die bildmächtigen Arbeiten von Simon Denny und Valentina Tanni oder der automatisierte Einkaufsroboter der !Mediengruppe Bitnik beweisen. Dieser geht jede Woche im Darknet auf Einkaufstour, der so erworbene Artikel wird jeweils an die Kunst Halle geliefert.
Der Netzkunst-Pionier Heath Bunting untersucht die hochkomplexen Strukturen, aus denen unsere Identitäten heute bestehen. Und zeigt auf, wie sehr unsere Existenzen definiert sind über Passnummer, Mailadresse, Kreditkarte etc. Strategien des Verschwindens widmet sich Seth Price. Er hat von der Website skeptictank.org Anleitungen zum Untertauchen in einem Buch vereint, das zum Mitnehmen aufliegt. Ein Unterfangen, das physisch möglich scheint, in der virtuellen Welt aber kaum noch durchführbar ist. 2012 haben russische Hacker 6,5 Millionen Passwörter von Linkedin.com geklaut und im Darknet verbreitet. Aram Bartholl hat einen Teil von diesen in einer mehrbändigen Publikation veröffentlicht. So verwundbar sind wir geworden.
Es ist ein noch wenig bearbeitetes Thema, das die drei Kooperationspartner/innen hier anschneiden. Die Anzahl der gezeigten Werke ist wohltuend konzentriert, die Präsentation konzis, was Sondierungen in den Tiefen des Deep Net ermöglicht, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Bis: 11.01.2015



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Ausgabe 12  2014
Ausstellungen The Darknet [18.10.14-11.01.15]
Institutionen Kunst Halle Sankt Gallen [St. Gallen/Schweiz]
Autor/in Daniela Hardmeier
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=141128093416BB1-16
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