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Besprechung
12.2014


Philipp Spillmann :  Eine Ausstellung, die auf eine historische Schau referiert, weckt grosse Erwartungen - darauf, wie sie die vergangenen Fragestellungen einbringt, zugleich aber die gegenwärtigen Tendenzen thematisiert. ‹Elementare Malerei› im Kunstmuseum St.Gallen stellt sich keiner geringen Herausforderung.


St. Gallen : ‹Elementare Malerei›


  
Elementare Malerei, 2014, Ausstellungsansicht Kunstmuseum St.Gallen ©ProLitteris. Foto: Stefan Rohner


Der Bezugspunkt ist die 1984 im Williams College Museum of Art veranstaltete Ausstellung ‹Radical Painting›. Kuratorisch betrachtet liest sich die aktuelle Ausstellung als eine Bestandsaufnahme, wie mit Fragen und Problemen der analytischen Malerei umgegangen werden kann, die «längst gelöst schienen», aber «dennoch jede Generation wieder neu fordern». Sie bietet zwei Perspektiven an, diese Fragen zu betrachten. Zunächst eine konzeptionelle, mit der sogleich die Linie zur besagten historischen Schau gezogen - oder eher zerbrochen - wird. Monochromie, die zitierte, radikale Konstante, wird radikal mit Positionen konfrontiert, welche die Malerei von ihren Grenzen, Rändern und Schatten her grafieren. Zum Beispiel ist eine mit dem Spachtel um eine deftige Farbdimension körperlich erweiterte Keilrahmenlatte von Michael Venezia den Pigmentflächen von Günther Wizemann entgegengestellt. Oder die pastosen, ernsthaften Bilder von Patrick Rohner begegnen dem charmanten Witz ausgehärteter Ölfarbklumpen von Beni Bischof, die an in der Wand steckenden Pinseln haften. Die Vielfalt solcher Begegnungen und ihre Leichtigkeit machen aus der Schau mehr als einen Schauplatz für kuratorische Konzepte. Augenfällig sind die miteinander in Beziehung gesetzten Arbeiten ‹Farbverlauf› und ‹Flache Arbeit› von Adrian Schiess. Über einen Monitor wird der Loop eines rauschenden Farbverlaufs (Pink/Grün) abgespielt, was sich als Bild auf der pinken Oberseite (die Unterseite ist grün) der zwei mal fünf Meter grossen, mit Autolack bemalten Aluminiumplatte spiegelt. Die mehrdeutige Medialität der Arbeiten - als Videoinstallation und Bild sowie als Skulptur und Bild - wird von ihrer gegenseitigen Überlagerung erst richtig offengelegt. Man könnte sagen, die Frage von Malerei und Farbe als ­Medien bricht sich durch das Prisma ihrer Spiegelung.
Die zweite Blickrichtung der Ausstellung besteht in der Auswahl ihrer Positionen. Mit fast enzyklopädischem Eifer werden Raum für Raum typische Diskurse der analytischen Malerei behandelt: Die Behandlung von Farbe als Material, ihre Ablösung als Bildträger, die Produktivität des Performativen und die Realisierung von Malerischem unabhängig vom Medium der Malerei. Und wie viele analytische Programme klingt auch das Fazit der ‹Elementaren Malerei› auffallend romantisch. Keine Reduk­tion, Destruktion und kein Nullpunkt der Malerei kann das auslöschen, was sie produktiv macht: Das Malerische eines klar gebildeten Gedankens.

Bis: 25.01.2015



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Ausgabe 12  2014
Ausstellungen Elementare Malerei [20.09.14-25.01.15]
Video Video
Institutionen Kunstmuseum St. Gallen [St. Gallen/Schweiz]
Autor/in Philipp Spillmann
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