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Besprechung
12.2014


Deborah Keller :  Unter dem Titel ‹Logical Emotion› präsentiert das Haus Konstruktiv eine vielfältige Ausstellung von zeitgenössischer Kunst aus Japan. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Schweizer und japanischen Kunsttradition stehen dabei ebenso im Blick wie die Vereinbarkeit von Logik und Emotionalität.


Zürich : Logical Emotion


  
Oben: Tatsuo Miyajima, unten: Koji Enokura, Akihisa Hirata, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2014. Foto: Stefan Altenburger


Die 150-jährigen diplomatischen Beziehungen zwischen Japan und der Schweiz wurden 2014 von Ausstellungs- und Konzerthäusern, Kinos und Theatern landesweit gefeiert. Das Museum Haus Konstruktiv in Zürich nimmt den Abschluss des Jubiläumsjahrs zum Anlass, um mit einer Ausstellung von zeitgenössischem japanischem Kunstschaffen über das eigene Erbe der Konkreten Konstruktiven Kunst nachzudenken, die in Zürich bekanntlich eine zentrale «Zelle» hatte. Die Reflexion geschieht ohne Werke aus der eigenen Sammlung - doch wie immer, wenn man sich in den heiligen Hallen der Zürcher Konkreten aufhält, wispert eine Stimme aus dem Off deren Dogmen ins Ohr und fragt im aktuellen Fall, wie sich der Widerspruch von Logik und Emotionalität, den der Ausstellungstitel programmatisch vereint, zur «mathematischen denkweise» eines Max Bill etwa verhält.
Was die Ausstellung präsentiert, ist natürlich keine Konkrete Kunst aus Japan, denn eine solche wurde dort nie praktiziert. Die Direktorin Sabine Schaschl und ihr Co-Kurator Kejiro Hosaka haben aber nach japanischen Künstlern gesucht, deren Werke wie jene der Konkreten wissenschaftlich oder systematisch methodisch basiert sind - und die teils auch einen verwandten multidisziplinären Ansatz vertreten.
Ist die Logik also vorrangig im Gestaltungskonzept der gezeigten Werke angelegt, so wird die Emotion in ihrer Wirkung verortet. In der Tat: Die Ausstellung mit ihrer sinnlichen Vielfalt an Materialien, Techniken, Farben und Formen wirkt erfrischend, manchmal erheiternd, oder sie stimmt nachdenklich. Unbeschuht betritt man zum Beispiel den ‹Life Palace (tea room)› von Tatsuo Miyajima. Bevor die Augen sich an das Dunkel in der kleinen Kabine gewöhnt haben, ähneln die Lämpchen an den Wänden einer Sternenhimmel-Simulation. Allmählich erkennt man sie dann als Ziffern von 9 bis 1, die in unregelmässigen Intervallen da und dort aufblinken und unterschiedlich schnell rückwärts gegen Null streben. Das mit einem biotechnologischen Programm gesteuerte Rückwärtszählen steht bei Miyajima als Ausdruck der Lebenszeiten, die Null, die allerdings nie erscheint, symbolisiert den Tod - oder einen Neubeginn. Ein Beispiel eines Werks also, das ebenso logisch wie irrational begründet ist. Und somit dem Konkret Konstruktiven entgegensteht? Eine Antwort kann wie immer nur mehrdeutig ausfallen, auch die Konkrete Kunst kennt viele Ausnahmen, und selbst Max Bill hat formuliert: «kunst braucht gefühl und denken».

Bis: 11.01.2015



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Ausgabe 12  2014
Ausstellungen Logical Emotion [02.10.14-11.01.15]
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Institutionen Museum Haus Konstruktiv [Zürich/Schweiz]
Autor/in Deborah Keller
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