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Besprechung
12.2014


Irene Müller :  Gebaute Strukturen sowie deren gedankliche und ästhetische Konventionen bilden das Reservoir, aus dem Markus Kummer seine Arbeit schöpft. Experimentierfreude, ein Blick für Zufälliges und die unprätentiöse Befragung der materialen Aspekte tragen wesentlich zu ihrer spröden, vielschichtigen Anlage bei.


Zürich/Luzern : Markus Kummer - Raumschwellen und Realitätsfalten


  
Markus Kummer · Personal Garden, 2014, ca. 210 40-Liter-Säcke Universalerde, Beton, 700x900x 10 cm, exh. view o.T. Raum für aktuelle Kunst, Luzern


So präsentiert sich die Arbeit ‹Personal Garden› von Markus Kummer (*1974, Zug) im Kunstpavillon in Luzern zunächst als etwas erhöhte, matt-graue Ebene, die in den Raum gelegt ist - und die den Weg zum an der Wand dahinter platzierten Videomonitor «versperrt». Der Beton, der direkt auf die geschichteten, konfektionierten Plastiksäcke mit Universalerde aufgebracht ist, unterscheidet sich in seiner Farbigkeit nur minimal vom Raumboden, dennoch ist der Eingriff unmittelbar präsent. Irritation stellt sich beim Betreten der Arbeit ein: Mit der Erhöhung des Niveaus um nur zehn Zentimeter verändert sich die Raumerfahrung, der Schritt hinauf wird vielmehr zum Überschreiten einer Schwelle, zum Betreten eines grundlegend differenten Terrains, das seine Existenz nicht etwas Gewachsenem, sondern etwas explizit Gesetztem verdankt. Das Verhältnis von Ausstellungsraum, Bodenarbeit und erfahrener Räumlichkeit gestaltet sich als kontingentes Feld, in dem sich die Arbeit selbst als eine Falte im Deleuze'schen Sinn, als «unscharfes Objekt» von eigenständiger physischer und geistiger Präsenz artikuliert.
Das Interesse an der Unterwanderung oder Umkehrung von gefestigten Begriffen bzw. Realitäten kennzeichnet Kummers Werk durchgehend. Sei es die aus verdichteter und verschalter Erde errichtete Wand im Park von Bex; oder seien es die platten- oder stelenartigen Skulpturen, die in der Zürcher Ausstellung zu sehen sind und bei denen der Künstler verschiedene Guss- und Verfestigungstechniken anwendet - die Arbeiten scheinen immer einer Ereignishaftigkeit verpflichtet, ihre objekthaft-materialen und visuellen Eigenheiten treten als provisorische Zustände auf. Als «Behausungen für Zufälliges» (MK) ist ihnen die Idee von Stabilität ebenso zu eigen wie der Faktor des Unberechenbaren, mithin eine grundlegende Ambivalenz, die Kummer sorgsam ausbalanciert. ‹Around the Corner›, der kurze Videoloop einer am Fuss einer Hauswand hervorsprudelnden «Quelle», verdeutlicht die Aufmerksamkeit für unaufgeregte, lapidare Situationen, denen eine eigentümliche, ja poetische Qualität anhaftet. An solchen Momenten - wie generell an Kummers Arbeiten - entzünden sich letztlich Fragen über Beschaffenheit, Bedingungen und Wahrnehmung von ­Realitätskonfigurationen, die immer von leisen Zweifeln an deren tatsächlichen Daseinsformen begleitet werden.

Bis: 20.12.2014



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Ausgabe 12  2014
Ausstellungen Markus Kummer [08.11.14-20.12.14]
Ausstellungen Moritz Hossli, Markus Kummer [23.10.14-06.12.14]
Institutionen Herrmann Germann Contemporary [Zürich/Schweiz]
Institutionen o.T. Raum für aktuelle Kunst [Luzern/Schweiz]
Autor/in Irene Müller
Künstler/in Markus Kummer
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