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12.2014




Apples : Milan Kunc


von: Katharina Holderegger Rossier

  
links: Milan Kunc · Mandala, 2012, Öl und Blattgold auf Leinwand, 240x190 cm, Courtesy Galerie Andrea Caratsch, Zürich/St. Moritz
rechts: Milan Kunc · Big Mac, 1978/1979, Mixed media, ca. 200 cm, Courtesy Galerie Andrea Caratsch, Zürich/St. Moritz


Der Goldgrund von Milan Kuncs (*1944, Prag) ‹Mandala›, 2012, verleiht den eher kühltönig darauf gemalten Gestalten eine zugleich artifizielle und konkrete Präsenz, wie dies unzählige anonyme Meister mit ähnlichen Mitteln bereits auf Altarbildern, Ikonen - oder eben Mandalas - erreicht haben. Der Buddha ist auf Kuncs ‹Mandala›, 2012, aber in ein Willkommensschild zwischen zwei eitle Pfauen nach oben gerutscht und hat die Züge eines beliebigen Yogalehrers angenommen. Die Mitte hält eine von Jugend, Gesundheit und Reichtum strotzende Frau, welche offenbar die ursprünglich mit dieser Praxis verbundene Heilssuche perfekt in eine Selbstoptimierungsstrategie umgemünzt hat. Inmitten von Blumen und gerahmt von zwei Pferdchen erscheint sie als Gewinnerin der trotz aller Warnsignale ungebrochenen Beschleunigung durch heutige Transport- und Kommunikationsmittel. Wenigstens muss man kein Augur sein, um in den aus dem verunfallten Fukushima am unteren Rand aufsteigenden Wolken die uns erwartenden apokalyptischen Schrecken zu lesen.
Es gibt nur wenige Künstler, die sich stets ebenso unbedingt als Maler wie auch als politische Wesen verstanden haben wie Kunc. Schon unmittelbar nach seiner an den Akademien in Prag (1964-67) und Düsseldorf (1970-75) genossenen Ausbildung sah er seine Aufgabe darin, die ikonische Glorifizierung der im Osten wie im Westen fatalen Paradiessuche im Diesseits anzuprangern. Nicht nur durch eine schräge Fusion kommunistischer Systemsymbole und kapitalistischer Markenzeichen, sondern auch durch eine stilistisch multireferentielle Malerei versuchte er, die Menschen aus ihrer Verblendung zu wecken - und zwar möglichst viele, was ihn zu teils risikoreichen Strassenaktionen trieb, so während der Olympiade 1980 in Moskau. Bereits vor 1989 begann er indes auch die ökologischen Folgen des sich abzeichnenden Sieges des Kapitalismus zu brandmarken und die Komplexität und Realität seiner Gemälde nicht mehr nur gegen Propaganda und Werbung aufzufahren, sondern auch gegen die zunehmende Bilderflut, welche aus überall ständig klickenden und surrenden Kameras über Bildschirme auf uns eindringt. Bislang ist Kunc in der Schweiz einzig in der Galerie Andrea Caratsch gezeigt worden. Nun aber bricht Samuel Gross in der Fondation Speerstra dem oft angefeindeten Künstler mit einem aufschlussreichen Parcours durch sein malerisches Werk sowie einer Serie neuer Keramiken endlich auch in einer Institution eine Lanze.

Bis: 14.12.2014



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Ausgabe 12  2014
Ausstellungen Milan Kunc [31.08.14-14.12.14]
Institutionen Fondation Speerstra [Apples/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Künstler/in Milan Kunc
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