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Hinweis
12.2014




Basel/Zürich : Clare Kenny


von: Françoise Theis

  
links: Clare Kenny · Datsun Sunny, 30.10. 2014, Druck auf Glas, 42x41x0,5 cm. Foto: Mark Niedermann
rechts: Clare Kenny · The Past was yours but the future is mine (I), 2014, C-print, frame, 70x100 cm. Foto: Mark Niedermann


Es sind vordergründig zwei sehr unterschiedliche Vorgehensweisen, mit denen sich die englische Künstlerin Clare Kenny (*1976) seit ihrer Ankunft 2007 in der Schweiz einen Namen gemacht hat. Zum einen geht sie in ihren fotografisch-skulpturalen Werken über die Rolle der Fotografie als Bildträger hinaus. Zum anderen formt sie mit ihren Negativ-Gipsabgüssen «à la Rachel Whiteread» banale Alltagsgegenstände ab und präsentiert sie in anderem Licht. Formal gesehen liegen den beiden Vorgehensweisen Strategien des Abdrucks zugrunde, die Kenny durch Dimensionserweiterung oder Materialwahl verunklärt.
Was die Ausstellung in der Galerie Gisèle Linder nun deutlich macht, ist ein inhaltliches Gemeinsames dieser beiden Ausdrucksformen. Kenny schöpft nämlich aus Bildern ihrer «working class girl»-Herkunft und schafft Werke, die in der sehr persönlichen Erinnerung der Künstlerin verwurzelt sind. So kann man die Arbeiten Kennys als Hommagen an ihre Herkunft lesen, die einen Hauch von Nostalgie bergen und durch ein intellektuell-künstlerisches Vorgehen zu zeitgenössischen Kunststatements werden.
Auch wenn die gezeigten Werke für die Galerieausstellung geschaffen wurden, rufen sie ein Déjà-vu auf und sind somit nicht im eigentlichen Sinn «neu». Neu und besonders interessant ist eine weitere Schicht künstlerisch-reflektierten Schaffens, die ihnen übergestülpt und mit dem bisherigen verwoben wird.
In ihrer neuesten Serie - den ‹puddles› - intensiviert Kenny beispielsweise den Link zwischen Fotografie und Skulptur, der ihren Arbeiten so grundlegend ist. Ihre ersten ‹puddles› hatte die Künstlerin diesen September anlässlich der Ausstellung des Kunstkredit Basel-Stadt in der Kunsthalle ausgelegt. Das kunstaffine Publikum stolperte darüber und trat drauf - so unsichtbar sind diese Glasskulpturen. Hat man sie jedoch einmal bemerkt, faszinieren sie durch ihre Präsenz und beginnen, «tales of the authentic» zu erzählen. Bildgrundlage der Pfützen-Plastiken ‹MG Montego› oder ‹Toyota Corolla› sind abfotografierte winzige Autoöllachen, auf deren Oberfläche das Licht in die Regenbogenfarben aufgebrochen wird. Die Fotografien wurden auf die Unterseite der aus Glas nachgeformten und vergrösserten Pfützen gedruckt. Die Glasoberfläche ist fein poliert und fällt an den Rändern weich ab. Faszinierend, wie gleichzeitig das Glasobjekt zur Lupe wird und seine Oberfläche die Vergrösserung der Spannungsoberfläche der Flüssigkeit zeigt. Exemplare von Kennys ‹puddles› sind auch in der Ausstellung ‹Bilderwahl! Monolithic Water› im Kunsthaus Zürich zu sehen.

Bis: 01.03.2015



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Ausgabe 12  2014
Ausstellungen Clare Kenny [12.11.14-08.01.15]
Institutionen Gisèle Linder [Basel/Schweiz]
Autor/in Françoise Theis
Künstler/in Clare Kenny
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