Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
12.2014




Köln : Andrea Büttner


von: Grit Weber

  
links: Andrea Büttner · 2, 2014, Installationsansicht, Museum Ludwig Köln, Courtesy Hollybush Gardens, London, und David Kordansky Gallery, Los Angeles ©ProLitteris. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln/Britta Schlier
rechts: Andrea Büttner · 2, 2014, Installationsansicht, Museum Ludwig Köln, Courtesy Hollybush Gardens, London, und David Kordansky Gallery, Los Angeles ©ProLitteris. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln/Britta Schlier


Als Emanuel Kant 1790 sein drittes Hauptwerk, die Kritik der Urteilskraft, veröffentlichte, wollte er damit seine beiden vorher angelegten Abhandlungen - über die reine und die praktische Vernunft - miteinander in Einklang bringen und verbinden. Er wollte also eine Art Versöhnung der Begriffe von abstrakter Freiheit und realer Natur schaffen und auf diese Weise eine Brücke zwischen der theoretischen und der praktischen Vernunft bauen. Denn auch die Freiheit sollte aus dem Kopfgefängnis befreit werden und sinnlich erfahrbar werden.
Die 2012 mit der Arbeit ‹Little Sisters. Luna Park› auf der Kasseler documenta vertretene Künstlerin Andrea Büttner (*1972, Stuttgart)beschäftigt sich in ihren Filmen und Installationen immer wieder mit Fragen der Moral, der Armut, dem Anstand und der Scham. In ihrer Kölner Ausstellung bezieht sie sich auf Kants drittes Werk: Sie gab der Schau den Titel ‹2›, teilte den Ausstellungsraum in einen schwarzen und einen weissen Bereich und zeigt in ihrer Video-Installation ‹Piano Destructions› zwei Perspektiven auf das Klavier. Einmal spielen darauf junge Frauen ausgefeilte Kompositionen, ein anderes Mal zerlegen alte Männer das Instrument brachial: zwei Grundkoordinaten ästhetisch begründeter Charaktere. Büttner dienten des Weiteren Einzelteile des Klaviers als Druckstöcke für einen Holzschnitt, einer Technik, mit der sie immer wieder grossformatige Bilder mit abstrakten Formen schafft. In ihrem Holzschnitt wird das Piano wiederum zu etwas Drittem, zur künstlerisch-abstrakten Form, in der sich das Instrument davon verabschieden kann, entweder Gegenstand für eine weibliche Erziehung oder Objekt für kraftvoll-männliches Agieren zu sein. Diese Konfrontation findet im dunklen Bereich der Ausstellung statt, im hellen hingegen fragt die Künstlerin nach den Quellen, welche die Grundlage für ein Urteil werden können: Auf Tableaus sammelt sie die unterschiedlichen Bilder aus historischen und zeitgenössischen Quellen und stellt uns so eine Variante dessen vor Augen, wie Kant vor über zweihundert Jahren ästhetisch-sinnlich (also visuell) zu seiner ‹Kritik der Urteilskraft› gekommen sein mag. ‹Kants Bilder› zeigt uns aber auch, welche Bilder uns heute in den Sinn kommen könnten, wenn wir diesen alten, doch für den philosophischen Umgang mit der Welt so wichtigen Text lesen.
Zur Ausstellung erscheint eine von Andrea Büttner illustrierte Ausgabe von Kants ‹Kritik der Urteilskraft›.

Bis: 15.03.2015



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 12  2014
Ausstellungen Andrea Büttner [05.09.14-15.03.15]
Institutionen Museum Ludwig Köln [Köln/Deutschland]
Autor/in Grit Weber
Künstler/in Andrea Büttner
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=141130111654Y4A-34
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.