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12.2014




Mendrisio : Not Vital


von: Ruth Händler

  
links: Not Vital · Tongue, 2008, Acciaio, 780x170x 150 cm, Courtesy Sperone Westwater, NY
rechts: Not Vital · Everton, 2014, Pastello e nastro adesivo su carta, 43,2x35,6 cm


Sehr persönlich und gleichzeitig bestechend universal ist die Einzelausstellung mit Werken des renommierten Schweizer Künstlers Not Vital (*1948, Sent) im Tessin. Der Leiter des Kunstmuseums Mendrisio, Simone Soldini, und die Kuratorin Alma Zevi haben sie gemeinsam mit Not Vital konzipiert. Schon der Auftakt, im Innenhof des ehemaligen Servitenklosters, ist ein Erlebnis. Fast acht Meter hoch ragt die Skulptur der Rinderzunge, die in ganz unterschiedlichen Materialien und Dimensionen ein Leitmotiv des Werks von Vital ist, in den Himmel. Die ‹Tongue›-Version in Mendrisio ist aus Edelstahl. In der Wintersonne fängt die glänzende Stele ihre historische Umgebung mit gleichsam animalischer Sinnlichkeit ein.
Viele der gezeigten Werke des Kosmopoliten, der trotz vielen Ateliers in aussereuropäischen Orten seinem Unterengadiner Geburtsort verbunden geblieben ist, stammen aus seinem Besitz. Ins Biografische stimmt das ‹Porträt meiner Eltern›, 1996, ein, zwei Bildnisse in Gips, getrennt und doch verbunden auf einer Astgabel. Menschenbilder, Tierbilder, mehr oder weniger abstrahiert, begegnen uns immer wieder in dieser Schau, die sehr fein in die Ausstellungsräume integriert ist. Da sind Objekte aus Vitals eigener Kunstsammlung wie etwa ein Buddha-Kopf aus Angkor. Da ist eine lange, aktuelle Reihe mit schwarzen Köpfen auf Papier, archaisch reduziert auf die fast runde Grundform, und dennoch ein ausdrucksstarkes Zeichen der Existenz von ‹Everton›, dem jungen Mann, der ihm in Rio de Janeiro Modell sass. Da ist, nicht weit entfernt, der ebenfalls abstrahierte Kopf als Grossskulptur, der entpersönlicht, 165 Zentimeter hoch, in seiner spiegelnden, metallenen Oberfläche die Umwelt porträtiert.
Die Edelstahl-Produktion aus Fabriken in Peking, wo Vital seit Jahren ein Studio hat, ist in der Tessiner Ausstellung ebenso präsent wie die Handwerkskunst der Silberschmiede der Tuaregs seiner Wahlheimat Agadez im westafrikanischen Niger.
Ein Raum ist mit dokumentarischen Fotos den architektonischen Skulpturen des Künstlers gewidmet, den über- und unterirdischen Häusern auf verschiedenen Kontinenten, die dazu einladen, der Schönheit des Lebens, der Natur und der Kultur zu begegnen.
Anlässlich der Ausstellung gab Vital den Student/innen der Architektur-Akademie Mendrisio einen interessanten Einblick in sein mentales Planungsbüro. Alles andere als das Klischee des grübelnden, zaudernden Künstlers führte der agile 66-Jährige vor dem staunenden Jungvolk aus, dass man Projekte auch sehr zügig den Gegebenheiten anpassen kann, und wie die eigene Kreativität mit schnell getroffenen Entscheidungen befeuert wird.

Bis: 11.01.2015



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Ausgabe 12  2014
Ausstellungen Not Vital [26.09.14-11.01.15]
Institutionen Museo d'arte [Mendrisio/Schweiz]
Autor/in Ruth Händler
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