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12.2014




Münster : Nicolas Party


von: Katja Behrens

  
links: Nicolas Party · Portraits, 2014, Pastell, 150x180 cm, Courtesy Gregor Staiger, Zürich und The Modern Institute, Glasgow
rechts: Nicolas Party · Trees, 2014, Pastell, 200x130 cm, Courtesy Gregor Staiger, Zürich und The Modern Institute, Glasgow


Das Bild als Bühne, der ganze Ausstellungsraum als Bild? Wo ist der Anfang, wo das Ende, der Rand? Darf man sich auf die riesigen, bunten Stühle setzen, etwas auf dem Tisch ablegen, den Teller benutzen? Offensichtlich darf man. Nicolas Party (*1980, Lausanne) lebt heute in Glasgow. Dort, in der schottischen Haupt- und Jugendstilstadt, hat er auch studiert, an einem Ort also, an dem traditionell keine tiefe Kluft zwischen Arts and Crafts, zwischen hoher und angewandter Kunst existiert. So schwappen seine bunten Malereien munter in den Raum hinein, überziehen die Wände und alle möglichen Gebrauchsgegenstände. Kannen und Becher, Essgeschirr, Tische und Stühle, die eigenen Unterarme und was sonst noch so zum Leben dazugehört. Sogar zum Hundeleben. Das Mobiliar, Porzellan und Essen seiner Dinner Performances entwirft und komponiert der Künstler selbstverständlich selbst.
Auf seinen grossflächig bunt und sympathisch naiv gemalten Leinwänden finden sich, mittig platziert, selbstgenügsame Äpfel und Birnen, Kerzen, Kakteen, Kürbisse. Ein Wald hat es auf eine Mauer irgendwo im Glasgower Stadtraum geschafft. Street Art und Tattoo sind dem Künstler jedenfalls nicht fremd, war er doch eine Zeit lang selbst als Graffiti-Künstler in den Strassen von Glasgow unterwegs. Das mag manches erklären, zumindest die Scheu vor grossen Wänden hat er sich da wohl abtrainiert. Aber auch die Innenräume, mit seinen fröhlichen, unwirklichen Narrativen dekorativ in Szene gesetzt, werden bei ihm zur Bühne eines bunten Spiels. Ganz ähnlich die teils waghalsig angeschnittenen Gesichter, die vor dem bunten plakativen Strich ebenfalls nicht sicher sind. Unvergleichlich die Lidschatten, mit denen er die Porträtierten zu flächigen Masken schminkt.
Neben Bäumen, Kakteen, Pastellzeichnungen, Elefantenskulpturen und bemalten Steinguttellern sind diese Porträts nun Hauptgegenstand seiner ersten Einzelausstellung in Deutschland im Münsteraner Kunstverein. Ist der junge Schweizer eine Art Pop-Morandi? Ein neuer, moderner Henri Rousseau, Fernando Botero, David Hockney? Was gibt diese Arbeit sonst her ausser Vergnügen? Falsche Frage. Ein fröhlich-unbeschwertes Werk, das in seiner Harmlosigkeit etwas aus der Zeit gefallen scheint. So what?

Bis: 18.01.2015



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Ausgabe 12  2014
Ausstellungen Nicolas Party [08.11.14-18.01.15]
Institutionen Westfälischer Kunstverein [Münster/Deutschland]
Autor/in Katja Behrens
Künstler/in Nicolas Party
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