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Fokus
1/2.2015


 Die letztjährige Ausgabe des Wettbewerbs ‹Performancepreis Schweiz› wurde am 9. November in Genf im Le Commun/BAC durchgeführt. Am Nachmittag präsentierten sieben Performer/innen - teilweise als Paar oder mit Gruppen - ihre Arbeiten, am Abend erfolgte die Preisverleihung.


Performance im Blickfeld - Mio Chareteau, Performancepreis 2014


von: Irene Müller

  
Mio Chareteau · Waves, 2014; Performance mit Alexandre Babel, Thierry Debons, Loic ­Defaux, Florian Feyer, Dorian Fretto (Mitte: Vorbesprechung). Fotos: Lee Li Photography/Performancepreis 2014


‹Waves› von Mio Chareteau ist am späteren Nachmittag im Obergeschoss angesetzt, doch im Gegensatz zu den zwei vorangehenden Aufführungen ist für diese Performance kein spezifischer Bereich gekennzeichnet. Und so verteilen sich die Anwesenden im Raum, stehen plaudernd und wartend in Gruppen beisammen. Der Auftritt von fünf Männern unterbricht diese Situation nur geringfügig, denn eigentlich erwarten wir eine Performerin. Erst als die Männer einige Minuten lang auf ihren inmitten des Publikums verteilten Positionen verharren, sickert der Umstand der beginnenden Performance ins Bewusstsein. Ruhe kehrt ein - dann gerät die Szene in Bewegung: Jeder Performer legt weisse Karten mit Nummern auf dem Boden aus, wobei er ­einem Muster zu folgen scheint, das jedoch aufgrund der dichten Menge nicht auszumachen ist. - Ein Königreich für eine Leiter, ich würde gerne mehr sehen können!
Mittlerweile stellen die Performer an den markierten Stellen Stative auf, an denen sie schwarze, vertikal ausgerichtete Röhren befestigen. Das Publikum gruppiert sich nun jeweils um «seinen» Performer oder setzt sich entlang der Wände auf den Boden. Laserstrahlen, Feuerwerk? Rote Pfeile auf den Röhren und deren Deckelfolien signalisieren ein Spektakel, und die Spannung steigt. Dann dreht der erste Performer, in breitbeinigem Stand und mit kraftvoller Bewegung, an einer Röhre, die unter lautem Knall eine Wolke von silbrigen Folienstreifen in die Luft katapultiert. In die Geräusche der folgenden «Zündungen» mischt sich das Lachen des Publikums, Hände greifen nach den Folien, die Anwesenden schauen sich um: Wo wird die nächste Folien­bombe gezündet?
Ohne eine Miene zu verziehen, konzentriert und erfüllt von innerer Zufriedenheit absolvieren die Performer ihren Parcours, wobei sie einen Rhythmus einzuhalten versuchen. - Abermals wünsche ich mir mehr Übersicht, möchte über die Köpfe hinwegschauen, am besten den ganzen Raum überblicken können. Möchte eruieren, welches zeitliche Muster den Zündungen zugrunde liegt, möchte der Struktur der Performance auf die Spur kommen. Doch dann überwiegt die Freude am erlebten Wechselspiel von Strenge und Leichtigkeit, von Präzision und Überschwang, das den nüchternen Raum in einem flirrenden Gewusel in sich implodieren lässt und seinem etwas abgenutzten Boden temporären Glanz verleiht.
Die Jurypreis wurde - mit zwei abgestuften Preisen - Gisela Hochuli und Julia Geröcs zugesprochen, der Publikumspreis Nils Amadeus Lange/Janet Haufler.


Bis: 15.02.2015



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Ausgabe 1/2  2015
Ausstellungen Transform - Versuchsanordnung 4 [09.01.15-13.02.15]
Institutionen Bollwerk Bern [Bern/Schweiz]
Autor/in Irene Müller
Künstler/in Mio Chareteau
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