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Besprechung
1/2.2015


Beat Mazenauer :  Die Arbeiten des Künstlerduos Andres Lutz & Anders Guggisberg lassen sich schwer auf einen Nenner bringen. Ihr Marken­zeichen ist die wuchernde Vielfalt, die sich verspielt aller verfügbaren Mittel bedient. Die verführerische Werkschau im Museum Bellpark zeigt Werke aus den letzten fünf Jahren.


Kriens : Lutz & Guggisberg - More is more


  
links: Lutz & Guggisberg · Ausstellungsansicht Museum im Bellpark, Kriens, Erdgeschoss, Foyer, 2014
rechts: Lutz & Guggisberg · Herde im Keller, 2005-2014, Ausstellungsansicht Museum im Bellpark, Kriens


«Alles muss haargenau in eine tobende Ordnung gebracht werden.» ­Antonin Artauds Diktum trifft es am präzisesten. Im Werk von Lutz & Guggisberg heben sich Gegensätze auf. Abfallprodukte der Zivilisation entfalten ihr künstlerisches Potenzial und verwandeln sich in mystisch-mysteriöse Objekte. Wie eine Heerschar von amorphen Gestalten und Gebilden durchquert die ‹Herde im Keller› das Museum, aus der Finsternis auftauchend und in die Finsternis weisend; derweil fährt in einer Video-Koje nebenan eine Kamera auf der Autobahn hinter Lastwagen her.
‹More is more› nennen die beiden Künstler ihre Ausstellung. Das Anhäufen um seiner selbst willen, daran herrscht in der Überflussgesellschaft keine Not. Was im Lichte der Aufklärung kritisch klingt, erhält bei Lutz & Guggisberg eine ganz und gar freche, frivole Note. Die Konsumwelt setzt Patina an und verschwindet unter Verkrustungen, die brüchige Zivilisation gibt Blicke frei auf ihren kreatürlichen Untergrund. Mit den unterschiedlichsten Materialien, von Astwerk bis Beton, schaffen sie ebenso ungehobelte wie formschöne Objekte, die sich listig den Zuordnungen entziehen. Aus Abfallholz entstehen Fetischfiguren, die an archaische Kulte erinnern; unter der Oberfläche einer dunkel glänzenden Fotolithografie schält sich ein Baumstrunk heraus. Kunst ist Natur, Natur ist Kunst, die Schnittmenge das Werk, das im Zusammenspiel von ausgeklügelter Intention und striktem Zufall entsteht.
Dieser Zwiespalt macht den Reiz aus. Das Kunstwerk ist nicht programmierbar, es unterliegt wesentlich auch den Gesetzen des Moments. Lutz & Guggisberg setzen den Dualismus mit einer sprühenden Phantasie um, deren Funken unmittelbar überspringen. Mit Witz und Lust appellieren sie an kindliche Spiele, die wenig bedürfen, um fabelhafte Welten aufzubauen. Die Schlichtheit der Mittel paaren die beiden Künstler mit spontanen Einfällen und zugleich mit höchster Konsequenz im Prozess ihres Schaffens. Daraus kann alles werden. Die Ausstellung im Museum Bellpark umfasst Rauminstallationen, Skulpturen, malerische Arbeiten, Fotografien und Videos.
Das Absurde ist die Kehrseite der Logik. Indem Lutz & Guggisberg beides ineinander aufgehen lassen, entlassen sie ihre Werke in die Freiheit der Bedeutung. Losgelöst von fixen Vorstellungen können die Besucher und Besucherinnen darin erkennen, was sie möchten. Gerade deshalb ist die Ausstellung ‹More is more› vor allem auch ein grosses sinnliches Vergnügen.

Bis: 22.02.2015



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Ausgabe 1/2  2015
Ausstellungen Lutz/Guggisberg [22.11.14-22.03.15]
Video Video
Institutionen Museum im Bellpark [Kriens/Schweiz]
Autor/in Beat Mazenauer
Künstler/in Lutz/Guggisberg
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