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Besprechung
1/2.2015


Nicola Schröder :  Die in Köln lebende Fotografin Candida Höfer ist bekannt für ihre spektakulären Porträts monumentaler Innenräume. Das Bemerkenswerte an ihrer aktuell im Kunstmuseum Luzern gastierenden Ausstellung ‹Düsseldorf› ist zunächst die darin umfasste Zeitspanne von rund vierzig Jahren.


Luzern : Candida Höfer - Düsseldorf


  
links: Candida Höfer · Dreischeibenhaus Düsseldorf IV, 2011, 180x245 cm, C-Print ©ProLitteris
rechts: Candida Höfer · Ulmenstrasse Düsseldorf, 1978, Gelatine-Silber-Abzug, 18,8x27,6 cm ©ProLitteris


Obwohl sich die Ausstellung thematisch auf einen einzelnen Ort beschränkt, ist das Kooperationswerk mit dem Museum Kunstpalast in Düsseldorf und der Landesgalerie Linz für die Schweiz gleichzeitig die erste Übersichtsschau zum Werk Höfers. Denn aus der wiederkehrenden Auseinandersetzung mit der Stadt, die für Höfers Anfang und für wichtige Etappen ihrer Karriere steht, hat sich eine Jahrzehnte überspannende Konstante ergeben. Deren Veranschaulichung mitzutragen, ist auch als Selbstreflexion zu verstehen. Schliesslich liegt in Düsseldorf - genauer in der Klasse von Bernd Becher an der Kunstakademie - das Fundament zu Höfers erfolgreichem Weg als Künstlerin. Darauf begründete sie im Laufe der Zeit die wesentlichen Charakteristika ihrer Arbeit zwischen klassischer Architekturfotografie, eingehender Raumanalyse und Neuer Sachlichkeit.
Bei Höfers bevorzugten Motiven handelt es sich je später, je mehr um kulturelle Stätten, die für menschliche Zusammenkünfte geschaffen und für bestimmte Handlungen und Geschehnisse ausgelegt sind. In den gepflegten Museen, Bibliotheken, Theatern oder Kirchen geht sie im weiten Winkel der aus Formen- und Farbspiel entstehenden Raumwirkung nach. Nüchtern wirkt die Tatsache, dass die Räume für die Fotos hell beleuchtet, aber menschenleer sind. Doch Höfer macht die Räume so selbst zu ihren Hauptdarstellern. Diese Darstellung entspricht nicht zuletzt dem Traum menschenscheuer Persönlichkeiten, öffentliche Räume in Ruhe erleben zu können.
Die unter Mithilfe der Künstlerin ausgewählten Arbeiten vermitteln einen roten Faden in ihrem Werk; zahlreich sind Beispiele, die für das wachsende Interesse an Formen, Strukturen und Effekten stehen. Dazu hat Höfer nicht zuletzt eine Reihe von Dias aus den Siebzigern, die bisher noch nie öffentlich zu sehen waren, zu wechselnden Bildfolgen arrangiert und als Werk der Gegenwart datiert. Exemplare aus der Serie ‹Türken in Deutschland› aus dieser Zeit gehören zu den wenigen, in denen auch Personen anzutreffen sind. Daneben sind Aufnahmen von verhängten Schaufenstern mit oft ärmlicher Dekoration zu sehen - Bilder von Gewöhnlichkeit, also deutliche Kontrapunkte zum Monumentalstreben jüngerer Arbeiten. Aber gerade diese Arbeiten bezeugen Höfers probende Annäherung an ästhetische Effekte wie Draufsicht und Durchsicht oder Tiefenwirkung versus Reflexion. Sie dienen als Anfangsmarkierung anhaltender ästhetischer Fragestellungen. Mit Katalog.

Bis: 08.02.2015



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Ausgabe 1/2  2015
Ausstellungen Candida Höfer [01.11.14-08.02.15]
Video Video
Institutionen Galerie Eva Presenhuber AG [Zürich/Schweiz]
Institutionen Kunstmuseum Luzern [Luzern/Schweiz]
Autor/in Nicola Schröder
Künstler/in Candida Höfer
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