Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Besprechung
1/2.2015


Nicola Schröder :  Architektur und bildende Kunst sind historisch verschwistert, über Jahrhunderte hatten sie vielfach sogar dieselben Urheber. In der Gegenwart sind sie allerdings an recht divergente Rahmenbedingungen geknüpft. Eine Bühne soll nun helfen, die Bedingungen für eine Ausstellungsreihe wieder anzugleichen.


Zürich : Theater Objects - Eine Bühne für Architektur und Kunst


  
Theater Objects, 2014, Ausstellungsansicht, gta und LUMA Stiftung. Foto: Stefan Altenburger


Seit gut einem Jahr steht die Abteilung Ausstellungen des Instituts für Theorie und Geschichte der Architektur (gta) an der ETH nun unter der Leitung von Fredi Fischli und Niels Olsen. Als Kuratoren waren die beiden bisher vornehmlich im Bereich der bildenden Kunst aktiv. Doch der Plan, das Institut über die umtriebigen Jungkuratoren mit der Kunstszene in Zürich in Verbindung zu bringen, scheint aufzugehen. Konkret lautet das Konzept, einen Dialog zwischen Architektur und zeitgenössischer Kunst anzustossen. Argumentiert wird dabei auch mit der schwierigen Ausstellbarkeit von Architektur. Der Schritt ins Löwenbräuareal wurde nach entsprechenden Vorläufer-Veranstaltungen innerhalb der Universität durch die Zusammenarbeit mit der LUMA-Stiftung möglich. Dazu haben die Kuratoren mit dem Topos der Bühne etwas herauspräpariert, das sie als «Schnittstelle» zwischen Kunst und ­Architektur verstehen. Tatsächlich ist die Bühne ein Ort für Experimente und Phantasie und bedient sich für Bildwirkung und Illusion gleich beider Disziplinen.
Ein Sinnbild dieser Verschränkung ist das tribünenartige Gebilde ‹Fun Palace› des Studios Tom Emerson, das bereits an der ETH zu sehen war und nun beim Westbau seinen Platz hat. Ebenso das Werk des in der Schau vertretenen William Leavitt, dessen Installationen eine Mischung aus Theater, Malerei, Film und Architektur darstellen. Geprägt vom Umfeld der Filmindustrie in Los Angeles kreiert Leavitt eine Art Bühnenbild oder ephemere Innenarchitektur, die Illusionen weckt und gleichzeitig entlarvt. Was von den teils illustren Teilnehmer/innen der Ausstellung sonst noch zu sehen ist, liesse sich mit Blick auf die wechselseitigen Bezüge auch als «Schnittmenge» zwischen den Gattungen beschreiben. So macht Dan Graham die Referenzgrössen seiner Arbeit mittels einer Diafolge und exemplarischer Kurztexte anschaulich. Mélanie Matrangas Installation arbeitet mit einem überdimensionierten Lampenschirm aus Papier und Kabelwirrwarr, das die Struktur des Westbaus «anzapft». Bei Andrea Branzi wird ein beliebter Topos der Gewöhnlichkeit - die Schrankwand - zum exotischen Kunstobjekt inklusive Vogelvoliere. Vieles dreht sich also um die Struktur und Gestaltung sozialer Räume, um Stimmungen oder Elemente der Stilisierung. Was im Ansatz sehr überzeugt, wirkt in der Umsetzung teils etwas unstrukturiert und puzzleartig. Nur wenige der ausformulierbaren theoretischen Ansatzpunkte werden dem Bewusstsein angesichts dieser Menge auch schlüssig vermittelt.

Bis: 25.01.2015



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 1/2  2015
Ausstellungen Theater Objects: Eine Bühne für Architektur und Kunst [22.11.14-25.01.15]
Institutionen Luma/Westbau [Zürich/Schweiz]
Autor/in Nicola Schröder
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=15010521304563N-21
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.