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Hinweis
1/2.2015




Basel : Dissonant Archives


von: Michael Hiltbrunner

  
links: Zouheir Atbana · Ears in Morocco, 2014, Videofilm (Still), 15 min, Kamera: Bouchra El Haoudi, Darsteller: Zouheir Atbane
rechts: Corsin Fontana · Musikkassette aus der Sammlung, ca. 1980. Foto: Michael Zaugg


Das Oslo 10 agiert aktuell als Teil einer internationalen selbstorganisierten Szene, die sich mit experimenteller Kunst und Musik beschäftigt. Zu diesem multidisziplinären und mediensensiblen Umfeld organisieren ­Franziska Glozer und Michael Zaugg noch bis April 2015 ein Programm, das sich in der von Gilles Aubry initiierten aktuellen Ausstellung ‹Dissonant Archives› beispielhaft zeigt. Aus dem schweizerischen Jura stammend und in Berlin wohnhaft, hat sich Aubry sowohl mit Audio-Installationen wie mit Klangkunst-­Auftritten einen Namen gemacht.
Ausgangspunkt der Ausstellung bilden Aufnahmen marokkanischer Musik des amerikanischen Schriftstellers Paul Bowles, eine Sammlung von Gegenständen zum Ort Swakopmund in Namibia von Youssef Tabti und Musikkassetten aus Marokko von Corsin Fontana. Letzterer reist seit 1979 mit Alberto Rainolter regelmäs­sig nach Marrakesch, wo beide zu Fans besonders der Amazigh- (oder Berber-)Musik wurden. Gilles Aubry und Zouheir Atbane wiederum zeigen in ihrer Installation ‹and who sees the mystery›, 2014, die Auseinandersetzung mit der Paul Bowles Collection of Moroccan Traditional Music von 1959, in welcher ebenfalls Amazigh-Musik wichtig ist. Sie entwickeln eine kritische Neuinterpretation, die kolonialistische Fragen einbezieht und zugleich die faszinierenden Eigenarten dieser Sammlung ausbreitet. Die Treffen mit noch lebenden Originalmusikern ermöglichten eine Gegenüberstellung der Aufnahmen von 1959 und 2014. Youssef Tabti zeigt dazu ein Gegenstück: In der Installation ‹Swakopmund›, 2011, entwickelt er über Dokumente aus seinem persönlichen Archiv, etwa einem Stadtplan, Mineralien, Postkarten, Pins, Fotografien, Briefmarken und Flaggen, ein Bild des wilhelminischen Deutschland als grau­samer Kolonialmacht in Namibia. Die Beispiele zeigen eine Kultur, die von Männern dominiert wird, sowohl in Marokko, in der «Colonial His-Story» in Namibia, als auch durch die Teilnehmenden der Ausstellung selbst. Doch nicht die herrschende Männlichkeit interessiert hier die Künstler, sondern die abweichende Männlichkeit des für sie jeweils Fremden. Dies zeigt sich im Video ‹Ears in Morocco›, 2014, von Zouheir Atbane. Auf ganz persönliche Weise reflektiert hier der Künstler die von ihm und Gilles Aubry getätigten Recherchen, Atbane konfrontiert sich als Performer mit dem Material und den Aufnahmen und entwickelt so eine persön­liche, von künstlerischem Eigensinn geprägte Sicht.

Bis: 10.01.2015


Konzert von Gilles Aubry (Earpolitics) und Robert Millis (Sublime Frequencies), am 10.1.



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Ausgabe 1/2  2015
Ausstellungen Dissonant Archives [15.11.14-16.01.15]
Institutionen Oslo 10 [Basel/Münchenstein/Schweiz]
Autor/in Michael Hiltbrunner
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