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1/2.2015




Frankfurt/M : Gerald Domenig


von: Grit Weber

  
links: Gerald Domenig · o.T., o.J., Inkjetprint, o. J.
rechts: Gerald Domenig · o.T., o.J., SW-Fotografie auf Barytpapier


Wie verhalte ich mich bezogen auf ein Bild, das sich mir gegenüber ambivalent gibt? Ich verhalte mich so, dass ich es immer wieder anschaue. Ich binde mich. Ja, und um mich wiederholt an das Bild zu binden, muss ich mich auch wiederholt von ihm lösen können. Im Abwenden steckt immer auch das Potenzial der Zuwendung.
In den Fotografien von Gerald Domenig ordnen sich die Dinge nicht dem Blick unter. Obwohl sie völlig alltäglich sind - ein Auto, ein Haus, Schnee und Schatten (auch gerne ein Mantel, eine Nivea-Dose, ein Apfel oder ein Paar gut eingetretener Schuhe) - entziehen sich die Dinge dem Wunsch nach Klarheit. Sie erfüllen das Begehren nicht mit Hingabe. Zwar ist ihr Abbild deutlich, doch das Bild, in dem sie sich aufhalten, bleibt vieldeutig. Domenig sagt es so: «Ein Bild ist eine Bewegungsform: Seine Aussage kreist ewig.»
Wenn Domenig in der Dunkelkammer steht, entwickelt er nicht nur eine Fotografie: Er macht das Bild. Und ein Bild bedeutet immer Abstraktion. Oft ordnet er zwei Fotografien zueinander. Und obwohl plötzlich merkwürdige Annäherungen auffallen, versöhnen uns die Paare oder Reihen nicht. Auch geben sie sich nicht plötzlich eine Bedeutung. Schliesslich hebt Domenig das Fragmentarische ja nicht auf, sondern er verdoppelt es sogar. Das, wo beide Bilder aneinanderstossen, bezeichnet Domenig dann als «die Naht». Diese charakteristischen Domenig-Nähte finden sich auch in Einzelbildern, wo eine Hausecke zwei unterschiedliche Gebilde zu einer Struktur, einem Ornament zusammenbindet. Doch nie geht es um Dekoration, denn seine Bilder leben von der kargen Ausstrahlung. Kommen in ihnen Bäume vor, sind sie ohne Laub; fotografiert Domenig Autos, ist es ein einfacher Typ; fotografiert er einen Mantel, ist es ein alter: Essenz, weniger Askese, führt zu Domenigs Bilderkenntnis.
Die Dunkelkammer hat eine wichtige Entsprechung: der Tisch in seiner Frankfurter Atelierwohnung. An ihm sitzt er und zeichnet nahezu täglich sonderbare Dinge: ineinander greifende Formen und Felder, auch einzelne typografische Elemente, die mal Schrift, mal Gerät bedeuten könnten.
Derzeit bereitet das MMK Frankfurt eine Ausstellung vor, die nicht nur die Fotografien einer breiteren Öffentlichkeit zeigt, sondern in der Domenig auch die Zeichnungen der letzten Jahre auspacken, sichten und ordnen wird - während der Laufzeit der Schau. Der künstlerische Blick, die künstlerische Ordnung wird als Prozess aus Entschluss und Verwerfung zum Ausstellungsinhalt.

Bis: 31.05.2015



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Ausgabe 1/2  2015
Ausstellungen Gerald Domenig [21.02.15-31.05.15]
Institutionen MMK Museum für Moderne Kunst [Frankfurt/M/Deutschland]
Autor/in Grit Weber
Künstler/in Gerald Domenig
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