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Hinweis
1/2.2015




Lugano, Luzern : Arte- und Warteschleifen


von: Fritz Balthaus

  
links: Claudia Kübler · Loop the Loop, 2014, Verlän­gerungsschnur, Kulleraugen
rechts: Thomas Moor · Courtesy of the Red, White and Blue, 2014, Ghirlande, Grösse variabel


An sich sind Hinweise immer schon Interpretationen, und wer den kleinen Laserpunkt auf den Wänden des Kunstmuseums Luzern bemerkt, entdeckt auch bald dessen Lichtquelle im kinetischen Zeigefinger der Künstlerin Karin Lustenberger. Das «Zeigen» zu zeigen ist markantes Merkmal einiger künstlerischer Arbeiten auf der ‹Zentralschweizerischen Jahresausstellung› im Kunstmuseum Luzern wie auch auf der Preisträgerausstellung der Kiefer-Hablitzel-Stiftung ‹30› im Museo d'Arte di Lugano. In Luzern wird die Juryauswahl loser Einzelpositionen in Räumen nach Sparten und Techniken zusammengefasst. Im Tessin zeigen die Preisträger/innen allesamt neue Arbeiten in eigenen Räumen.
Die hier behandelten Kunstbeiträge zielen ausdrücklich auf die direkte Umgebung beider Museen und spielen mit den Interpretationsroutinen von Kunst. In Luzern betont Monika Kiss Horvath einen Türausschnitt als räumliches Passepartout und fasst den bildgewordenen Durchgang und die Wände als rosa-gelbe Raumbrille auf. Jeremias Bucher, in Lugano, entfernt die Fensterverblendungen und hängt diese Sperrholzformate als Bildobjekte an die gegenüberliegenden Museumswände. Für ‹AFOS›, sein umgestülptes Sofa in der Luzerner Jahresausstellung, hat Bucher gerade den Ausstellungspreis erhalten. In derselben Schau erlaufen sich Museumsbesucher/innen einen feinen Schwindel zu sphärischer Musik - von Martina Lussi. ‹Im Kreis gehen› scheint die unterschiedlichsten Räume zu öffnen, wie auch Claudia Küblers kurzgeschlossenes Verlängerungskabel, denn diese alltägliche ‹Blackbox› eines immer unsichtbaren Stromkreislaufs wird von der Künstlerin zu einer «gehäuteten Kulleraugenschlange» beschworen. So ist diese undurchschaubare «Kabelschlange» ihrer Natur als unbeobachtbare Blackbox entkommen und in den White Cube entwischt. Wenn Thomas Moor in ‹Courtesy of the Red, White and Blue› das Verkaufspark-Lametta des amerikanischen Autohandels ins Tessiner Museum hängt, dann tritt er damit auch an die Reifen eines schlecht beleumundeten Kunsthandels dieser Tage, und erst wer nach ungläubigem Suchen erkennt, dass Matthias Liechti exakt denselben Raum tatsächlich zweimal installiert hat, gewinnt in diesem grossartigen Moment das Vertrauen in die eigene Orientierung zurück. Was der Künstler hier als produktive Überforderung für die Besucher/innen installierte, hatte Christian Jankowski vor einiger Zeit mit zwei absolut identisch bestückten Messeständen auf der Frieze Art Fair in London mit einer generisch anderen Umgebung begonnen. Hier schliessen sich die Hinweiskreise.

Bis: 08.02.2015



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Ausgabe 1/2  2015
Ausstellungen Jahresausstellung Zentralschweizer Kunst [06.12.14-08.02.15]
Ausstellungen <30. X Giovane arte svizzera [14.12.14-15.02.15]
Institutionen Kunstmuseum Luzern [Luzern/Schweiz]
Institutionen MASI/Collezione Giancarlo e Danna Olgiati [Lugano/Schweiz]
Autor/in Fritz Balthaus
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