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1/2.2015




Paris : The Yvonne Rainer Project


von: J. Emil Sennewald

  
links: Yvonne Rainer · Lives of Performers, 1972, Courtesy Babette Mangolte
rechts: Mai-Thu Perret · La Fée idéologie, 2004 et Taegamkori IV, 2008, La Ferme du Buisson, Courtesy Émile Ouroumov


Wie ist es, am Leben zu sein? Schon glaubte man, solch ontologische Fragen seien obsolet geworden. Jetzt, zwischen Habenwollen und Socialmedia, widmen sich Ausstellungen und Interventionen wieder dem Körper, dessen Bewegungen und Begegnungen. Nicht zuletzt die jüngste Initiative von Apple und Facebook, die Ovarien ihrer weiblichen Mitarbeiter für später einfrieren zu wollen, um die Produktivität der Frauen voll ausschöpfen zu können, zeigt: Body matters, mehr denn je. Für Yvonne Rainer (*1934, San Francisco) stand das nie in Frage. Die Tänzerin und Choreografin wurde in den Sechzigern berühmt, brachte mit Stücken wie ‹The Mind is a Muscle›, 1968, oder ‹This is the story of a woman who...›, 1973, einen zeitgenössischen Tanz auf die Bühne, den man phänomenologisch nennen könnte. In seinen Bewegungen konzentriert er sich auf das, was ist, was uns begegnet und wie wir darauf mit Gesten, Bewegungen reagieren. Schnell wird die in genauer Beobachtung des Gelebten liegende konzeptuelle Kraft deutlich. Mit ihrem ersten Film ‹Lives of Performers› weitete Rainer 1972 ihre Arbeit auf den sozialen, politischen, ästhetischen Körper ihrer Zeit aus. Sie gilt als Vorläuferin einer «live» oder «liveness» getauften Ästhetik, der es ums Leben geht. Um dessen Sein, doch vor allem um dessen Modi. Nicht ob, sondern wie Leben ist, in all seinen Widersprüchlichkeiten, Zufälligkeiten, in all seinen Ausnahmen von der Regel und seiner Widerständigkeit gegen Ideologien und geschlechtliche Festlegungen, dem geht Yvonne Rainer nach. Für die kanadische Kunstkritikerin und Kuratorin Chantal Pontbriand ist Rainer Resonanzfigur. Nach jahrelanger Arbeit hat sie 2010 eine erste Ausstellung im Londoner BFI kuratiert. Jetzt bringt sie Rainer nach Paris. Mit der Überblicksausstellung unter dem Titel ‹The Yvonne Rainer Project, Lives of Performers› in die Ferme de Buisson im Vorort Noisiel, in der Heutige auf Rainer reagieren, wie Yael Davids mit einer Glas-Holz-Installation, Emilie Pitoiset mit Performance-Fotos oder Mai-Thu Perret mit einer Puppe und Tanzschritten auf der Wand. Um deren ‹Denken in Bewegung› auszuagieren, gab es bereits im November Filmscreenings im Jeu de Paume und ein Kolloquium im Palais de Tokyo. Der Zeitpunkt könnte kaum besser sein - in Frankreich drängt die Frage, wie es ist, am Leben zu bleiben.

Bis: 08.02.2015



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Ausgabe 1/2  2015
Ausstellungen Lives of Performers [25.10.14-08.02.15]
Institutionen La Ferme du Buisson [Noisiel/Frankreich]
Autor/in J. Emil Sennewald
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