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1/2.2015




Schaffhausen : Ester Vonplon


von: Nicola Schröder

  
links: Ester Vonplon · ohne Titel, 2014, Fotografie auf Barytpapier, 190x245 cm, Ed. of 5
rechts: Ester Vonplon · Wohin geht all das Weiss, wenn der Schnee schmilzt, 2014, Blick in die Ausstellung, Museum Allerheiligen Schaffhausen


Im ersten Moment überrascht die Ausstellung zu Ester Vonplon (*1980, Chur) in Schaffhausen mit Überschaubarkeit. Gerade mal vier Werke der jungen Fotografin hat ­Kurator Lynn Kost innerhalb eines grosszügigen Raums des Museums Allerheiligen zusammengestellt. Noch dazu ist deren Erscheinungsbild monochrom: Alle Arbeiten stellen Ansichten ­einer weitläufigen, nicht sofort identifizierbaren weissen Oberfläche vor. Deren unregelmässige Struktur aber übt in ihren Tonabstufungen und mittels Lichtführung im nächsten Moment einen grossen Reiz aus. Es entsteht ein Eindruck von Ruhe und schlichter Schönheit, den die reduzierte Situation im Raum noch untermauert. Die entsprechende Ästhetik entwickelt sich unabhängig von der Kenntnis, was dort eigentlich genau zu sehen ist. Anders als es der Titel der Ausstellung - ‹Wohin geht all das Weiss, wenn der Schnee schmilzt?› - erwarten lässt, handelt es sich bei dem allgegenwärtigen Weiss der in die Abstraktion weisenden Bilder nämlich nicht um Schnee. Vielmehr hat Vonplon für die Ausstellung mit ihrer analogen Grossbildkamera die Salzwüste von Utah (USA) fotografiert. Den suggerierten Schnee findet man auf einer anderen Ebene. Über eine Hintertür und eine Treppe gelangt man in einem angegliederten Kabinett zu einer mehrteiligen Installation. Diese besteht primär aus Arbeiten der Serie ‹Gletscherfahrt› - scheinbar zeitenthobene und fragile, aber nicht minder ästhetische Fotografien. Sie basieren auf Aufnahmen von Gletschern, deren Schmelze mit Vliesbahnen aufgehalten werden soll - primär zum Erhalt der Wintersportbedingungen. Der groteske Einsatz der Vliese vermittelt sehr direkt das Bild verlorener Würde. Ein im Raum als Objekt aufgeworfenes Gletscher­vlies trägt dies unmittelbar in die Szene. In den Fotos mahnen die Vliese unter anderem an Vorhänge und erhalten einen metaphorischen Charakter. Die reine Dokumentation hat Vonplon also durchbrochen, nicht zuletzt indem sie in den Prozess des Entwickelns eingegriffen hat. Mit der Toninstallation ‹Gletschermilch›, die in Zusammenarbeit mit Stefan Eicher aus den Geräuschen der Gletscher entstanden ist, untermalt sie die Szene auch akustisch. In der Gesamtheit erscheint die Installation wie das Requiem für ein dahinschwindendes Naturphänomen. Das Salz jedenfalls sieht man auf dem Rückweg mit anderen Augen und erkennt wohl, dass Vonplons Arbeit mit diesem Parcours zwischen Minimalismus und Konzept auf den Punkt hin inszeniert ist.

Bis: 15.02.2015



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Ausgabe 1/2  2015
Ausstellungen Ester Vonplon [05.12.14-15.02.15]
Institutionen Museum zu Allerheiligen [Schaffhausen/Schweiz]
Autor/in Nicola Schröder
Künstler/in Ester Vonplon
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