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1/2.2015




Vevey : ‹La Passion Dürer›


  
links: Albrecht Dürer · Melencolia I, 1514, Kupferstich auf Ripppapier, zweiter Zustand von zwei, 240x189 mm, Musée Jenisch. Foto: C. Bornand
rechts: Philippe Decrauzat · Melencolia I, 2003, Gelcoatharz, Fiberglas, Kapexschaum, 130x130x140 cm, Montpellier, FRAC Languedoc­ Roussillon. Foto: Christian Pérez


Albrecht Dürer (1471-1528) verdanken wir gleich mehrere Grafikzyklen der Passion, die Kunstliebende seither mit Leidenschaft sammeln und reflektieren. Und seit dem Symbolismus kehren sogar Kunstschaffende wieder wie selbstverständlich zu diesen und anderen Drucken des Nürnberger Meisters zurück. Zum 25. Geburtstag der Gründung des Cabinet cantonal des estampes unter dem Dach des Musée Jenisch zeigt dies die junge Konservatorin des Cabinet, Laurence Schmidlin, in einer Schau zur Grafik Dürers und ihrer helvetischen Rezeption auf. Die Blätter bilden den Kern der drei bedeutenden Lausanner Grafiksammlungen, deren sukzessive Übergabe an die Öffentlichkeit im Lauf des 20. Jahrhunderts die Einrichtung eines entsprechenden Kompetenzzentrums wünschenswert gemacht hat. Neben Exemplaren aus dem Besitz des zum Radierer bekehrten Chemikers Alexis Forel (1852-1922) handelt es sich dabei vor allem um die umfassenden Bestände, die der Pfarrer William Cuendet (1886-1958) und der Chirurg Pierre Decker (1892-1967) etwa zeitgleich zusammentrugen, Ersterer vor allem ergriffen von Dürers Imagination, Letzterer beeindruckt von seiner technischen und ästhetischen Virtuosität.
Wann wird man die gesamte Grafik Dürers in Vevey, die grosse Teile seines Schaffens von 1495 bis 1523 abdeckt, erneut versammelt sehen, eingebettet noch dazu in die Blätter italienischer und deutscher Vorläufer? Die Gelegenheit ist nicht zu verpassen! Vor den Originalen der unwiderruflich zuerst in die Platten geschnittenen und gestochenen und dann ins Papier gepressten Figuren und Formen lässt sich nachvollziehen, wie dem Humanisten die stupende Synthese zwischen der rationalen Antiken- und Naturnachahmung des Quattrocento und der nervösen Expressivität der transalpinen Gotik gelang. Sind die meisten Episoden der schweizerischen Dürer-Rezeption indes in den schweren Katalog verbannt, erinnern die rund zehn ausgestellten künstlerischen Dürer-Appropriationen seit 1976 doch stimulierend daran, dass «jede Kunst immer zeitgenössisch empfangen wird», um mit Laurence Schmidlin zu sprechen. J. Otths videastischer Nachvollzug des ‹Zeichners des liegenden Weibes› und P. Decrauzats plastische Übersetzung des Polyeders der ‹Melencolia I› bringen die sonst historisch ausgerichtete Schau im Erdgeschoss sogar erst richtig zum Klingen. Hingegen ist der exklusiv mit neuen Positionen bespielte Saal im ersten Stock etwas arg kakophonisch geraten. Immerhin schwant einem so: Keine Dürer-Leidenschaft wie die andere!

Bis: 01.02.2015



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Ausgabe 1/2  2015
Ausstellungen Albrecht Dürer [01.11.14-01.02.15]
Institutionen Kunstmuseum Basel/Hauptbau/Neubau [Basel/Schweiz]
Künstler/in Albrecht Dürer
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