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1/2.2015




Zürich : Das Ding an sich


von: Sabine Arlitt

  
links: Chalet5, ABLAGE, 2014, Mixed Media, 205 x 110 x 36 cm
rechts: Mario Sala · Home Altar, 2014, Holz, Lack auf Pavatex, Metall, Glas, Stoff, 62x46x21 cm, Anthony Cells


Ein hölzerner Kronleuchter mit diabolisch züngelnden Glühbirnen schraubt sich in abenteuerlichen Spiralbewegungen nach oben. Die Blicke verfangen sich im farbenprächtigen Spiel der normalerweise unter Putz verlegten bunten Kabelwelt. Die humorvoll-ingeniöse Arbeit stammt von Aldo Mozzini, einem der achtzehn von Brigitta Rosenberg für die Ausstellung ‹Das Ding an sich› eingeladenen Künstler/innen, die Möbel und andere Gebrauchsgegenstände von Kunstschaffenden zeigt. Die Ausstellungsräume werden in eine «gute Stube» verwandelt, deren Einrichtung allerdings so gar nicht den Vorgaben der guten Form gehorchen will. Ian Anüll hat für seine ‹Wartebox› einen leicht angerosteten Designerstuhl in eine enge Holzkiste gesteckt. Den Menschen zeigt er eingebunden im Wartezimmer der konditionierten Verrichtungen. Über die Ambivalenz der wesenhaft aufgeladenen Dinge wird der Alltag zwischen Struktur und Auflösung, zwischen Funktionscredo und persönlichen Bedürfnissen reflektiert. An ein Idol-Ehepaar erinnern die beiden mit liebevollen Details versehenen Vasen, die Mario Salas ‹Home Altar› bewohnen. Zwischen Kult um die Kunst und privatem Ritual innerer Beziehungen changiert die aus Installationsresten erschaffene Arbeit mit ihrem diffusen Geschehen auf leicht kruden Pavatexfragmenten, das der Künstler beschreibt als «Altar der Zukunft aus der Abfallhalde Gegenwart». Ruedi Bechtler reiht das ihm zugetragene, gestrandete, Gut, dem er auf seinen «beach walks» begegnet, nach und nach auf Schnüre, die metaphorisch zu Lebensnerven neuer poetisch infizierter und verwunschen spriessender Verbindungen werden. Der losgelöste Gitterschutz eines Ventilators wandelt sich in Eva Bertschingers Händen zur filigranen Früchteschale. Auf Arbeitshöhe schiebt sich die ‹Ablage› des Duos Chalet5 (Karin Wächli & Guido Reichlin) in den Raum. Alles ist in der Schwebe gehalten, ein winziger Nagel und zwei kleine Bostitchklammern geben vor, die ornamental verwobene und dramatisch choreografierte Architektur des eigenwillig gewachsenen Dings zu halten. Zwischen Fundstück und Vision, zwischen copy and paste, zwischen Privatem und Öffentlichem sucht das Schichtungsgefüge als Zwischenspeicher wundersamer Energien die Balance. Bernhard Schobingers fliegengewichtigem ‹Löffel›, aus der Begegnung eines Sonnenbrillenglases und einer orangenen Wäscheklammer hervorgegangen, könnte die ‹Ablage› als Landeplatz dienen. Es herrscht Durchzug in der guten Stube.

Bis: 14.02.2015



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Ausgabe 1/2  2015
Ausstellungen Das Ding an sich [13.12.14-14.02.15]
Institutionen Galerie Rosenberg [Zürich/Schweiz]
Autor/in Sabine Arlitt
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