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Besprechung
3.2015


Daniela Hardmeier :  Schweizer Gegenwartskunst, gesammelt von 1982 bis 2013, wird auf ihre Aktualität im Hier und Jetzt überprüft. Gewichtige Themen werden angerissen und ein Sammlungskonzept auf den Prüfstand gestellt, das durch seine Kühnheit und seinen (weitsichtigen) Mut besticht.


Bern : ‹Im Hier und Jetzt!› - Die Sammlung Kunst Heute


  
links: Loredana Sperini · Ohne Titel, 2007, Wachs und Schmetterlingsflügel auf MDF-Platte, 17x46x32 cm, Kunstmuseum Bern, Schenkung Stiftung Kunst Heute
rechts: Alex Hanimann · Auch der Eisbär ist ein Problem, 2001, 2-Kanal Videoprojektion, Farbe, 60'47', Kunstmuseum Bern, Schenkung Stiftung Kunst Heute © ProLitteris


Auch der Eisbär scheint in unserer Zeit ein Problemfall zu sein. So suggeriert es zumindest Alex Hanimann in seinem Video zu Beginn der Ausstellung. Steht man länger vor der Projektion, wird bald klar, dass vielmehr der Mensch und seine Haltung zum Tier das eigentliche Problem ausmachen. Die Frage nach der Selbstbezüglichkeit wird in einem Gutteil der gezeigten Arbeiten gestellt, die aus unterschiedlichen Perspektiven die Verflechtungen des Menschen mit der Welt beleuchen. Dies geschieht mitunter drastisch wie in den Werken von Thomas Hirschhorn, Yan Duyvendak oder Christoph Draeger, mitunter auch sehr poetisch wie in den Malereien von Miriam Cahn oder den Wachsobjekten von Loredana Sperini. Dass der Bezug zur Welt nicht immer einsichtig ist, wird vor der Installation von Florian Germann evident. Seine Versuchsanordnungen verleiten zu vielfältigen Assoziationen und bleiben zugleich kryptisch. Gemeinsam ist allen Werken, dass sie uns nach wie vor berühren und Themen verhandeln, die nicht an eine spezifische Zeit gebunden sind.
Die Stiftung Kunst Heute mit Sitz in Bern wurde - mutig und vorausschauend - bereits 1982 mithilfe von einigen Mäzen/innen von Marianne Gerny gegründet. Die mit einem Jahresbudget ausgestattete und alle paar Jahre neu zusammensetzte Ankaufskommission bestand aus jungen Künstler/innen und Kunstvermittelnden, die den Auftrag hatten, Kunst aus der eigenen Generation zu sammeln - mit Blick auf ihre musealen Qualitäten. Die Kommission bewies vielfach ein gutes Auge, die Sammlung verfügt heute über 180 Werke und Werkgruppen von 50 Künstler/innen, die meisten von ihnen wichtige Namen der Schweizer Kunst der letzten dreissig Jahre. 2013 hat sich die Stiftung aufgelöst, die Sammlung ging als Schenkung ans Kunstmuseum Bern. Gezeigt wird nun eine Ausstellung, die viele qualitätsvolle Arbeiten auf wenig Raum vereint und gewichtige Themen in unserer gegenwärtigen Auseinandersetzung - nicht nur mit der Kunst - aufgreift. Man hätte der Schau mehr Platz gewünscht, um die einzelnen Bereiche und Facetten besser auszuloten. So gelangt man von Raum zu Raum von einem grossen Thema zum nächsten, das Einjustieren auf die einzelnen Fragestellungen fällt nicht immer ganz leicht. Es lohnt durchaus, sich etwas von den gegebenen Themen zu lösen und sich auf die immer wieder entstehenden, anregenden Dialoge zwischen den Werken einzulassen; und der Grundfrage nachzugehen, was die hier gezeigten Werke mit uns zu tun haben.

Bis: 26.04.2015



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Ausgabe 3  2015
Ausstellungen Im Hier und Jetzt! [24.10.14-26.04.15]
Institutionen Kunstmuseum Bern [Bern/Schweiz]
Autor/in Daniela Hardmeier
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