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Besprechung
3.2015


Dominique von Burg :  Ursprünglich skulptural tätig, legte Doğan Firuzbay während fünfzehn Jahren eine Schaffenspause ein. Mittlerweile hat er den künstlerischen Faden wieder aufgenommen und arbeitet sehr konzeptuell. Seine bildhaften Installationen eröffnen nun in der Gemeindegalerie Benzeholz komplexe Bezugsfelder.


Meggen : Doğan Firuzbay - Surface


  
Doğan Firuzbay · Hausfassade in Marseille, 2014


Nähert man sich dem am Vierwaldstättersee gelegenen Kunstraum Benzeholz, wähnt man sich in der idyllischen Landschaft vollkommen eingebettet. Der Eindruck ist teilweise der verspiegelten Eingangsfront der ehemaligen Wasch- und Brennhütte zu verdanken, welche Michelle Kohler (*1981) und Timo Müller (*1980) installiert haben und die bis Ende März bestehen bleibt. Auf die gespiegelte Umgebung reagiert die Installation von Doğan Firuzbay (*1963, Toulouse) mit einem Spiel zwischen Aussen- und Innenraum. In rhythmischen Zyklen projizieren Beamer Fotografien von Hausfassaden mit zahllosen Balkonen aus verschiedenen europäischen Grossstädten grossflächig auf die Wände. In der Präsentation als Mehrfach-Projek­tionen entsteht eine Art Kaleidoskop. Im Dachgeschoss sind die Fensterflügel entfernt und baumeln - jeweils an einem Stahlseil hängend - von der Decke herunter. Die jetzt offenen Luken lassen Wind und Winterkälte herein. Blaues Scheinwerferlicht wirft die Schattenwürfe der Fenster in die Dachschrägen, die im Unterschied zu den digitalen Projektionen in den unteren zwei Stockwerken lediglich als simple Projektionsformen wahrnehmbar sind.
Die Bilder der Häuserfassaden eröffnen durch ihre Perspektiven und Ausschnitte oder die Wiederholung von Formen und Körpern malerische und plastische Momente. Hier wird die Auseinandersetzung von Firuzbay mit der abstrakten Malerei deutlich, insbesondere dem Suprematismus von Kasimir Malewitsch und dessen Weiterführung in der Plastik von El Lissitzky und den russisch-futuristischen Architekturen. So knüpfte er bereits in der im Kaskadenkondensator Basel ausgestellten Installation ‹Videogame›, 1995, mit zwei Basketballkörben, zwei Tafeln und zwei Monitoren an die Moderne und die gegenstandslose Malerei an. Durch die Trennung von Basketballtafel und Korb verweist er auf das schwarze Quadrat auf weissem Grund von Malewitsch und das Readymade von Duchamp und eröffnet ein Spannungsfeld, das die beiden Protagonisten der Moderne mit der Welt des Sports verbindet.
Charakteristisch für die künstlerische Strategie von Firuzbay ist, dass er von konkreten gesellschaftlichen Dispositionen oder Begriffen ausgeht und diese in ein abstraktes, kunsthistorisches Beziehungsfeld überführt, was gleichzeitig seinem Wunsch nach Selbstentgrenzung entspricht.

Bis: 29.03.2015


Künstlergespräch mit Hilar Stadler, Leiter Museum Bellpark, am 29. 3., 17 Uhr



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Ausgabe 3  2015
Ausstellungen Dogan Firuzbay [27.02.15-29.03.15]
Institutionen Benzeholz Raum für zeitgen. Kunst [Meggen/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Dogan Firuzbay
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