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Besprechung
3.2015


 Es erstaunt, dass den vielschichtigen, oft philosophisch anmutenden Arbeiten von Max Matter die breite Anerkennung bis dato nicht zuteil wurde. Die umfassende Ausstellung bei Silvio ­Baviera beleuchtet nun das von steter Innovationslust lebende, interdisziplinäre Werk des Aargauer Künstlers.


Zürich : Max Matter - Eine Hommage an das Ephemere


  
Max Matter · Schnelle Landschaft, 2003/05, Lichtinjektion in Farbfilm, Leuchtkasten. Foto: Jörg Müller


Kennzeichnend für das dichte und verzweigte Gesamtwerk von Max Matter (*1941) mit Bildern, Fotoarbeiten, Tiefdrucken, Objekten und Kunst-und-Bau-­Arbeiten sind die Beziehungen zwischen künstlerischer Vision und naturwissenschaftlichen Systemen. Im Foyer der Galerie visualisiert eine kontinuierliche Computeranimation mathematische und zeitliche Abläufe und zeigt, wie neun quadratische, allseitig farbgetränkte Japanpapiere immer neu kombiniert werden können. Rund 50'000 Jahre lang würde der Film laufen, bis die 48,7 Billionen Varianten bei einem auf eine Zehntelssekunde getakteten Bildwechsel durchgespielt wären.
Seit vielen Jahren arbeitet Matter mit Japanpapier, das er mehrfach faltet, um die Papierkörper dann mit farbgefüllten Injektionsspritzen punktuell zu durchstossen oder mit schwarzer Tinte auf den Papierbündeln zu zeichnen. Ohne Kontrolle diffundiert die Farbe und es entstehen schwarz-weisse Blätter mit ornamentalen Mustern oder farbenprächtige Faltbilder, die, wieder entfaltet, an Sternensysteme erinnern und teilweise auf Leuchtkästen platziert werden. Auch die Fotoarbeiten beruhen auf einem Zufalls­prinzip, indem der Künstler Filmrollen mit einem Bohrer perforiert. Das dadurch eindringende Licht erzeugt auf dem Farbfilm irisierende, landschaftsähnliche Bilder. Die erleuchtete Landschaft findet sich bereits in Matters Frühwerk, als er, inspiriert von der damaligen Pop Art, mit ‹Mittelland›, 1971, besagte Gegend in strahlendem ­(Neon-)Licht zeigte. Gleichzeitig entwarf er ein Bild der Schweiz zwischen Postkartenidylle und modernistischen Lebensformen.
Damals gehörte Matter zusammen mit Heiner Kielholz, Markus Müller, Chris­tian Rothacher und Hugo Suter zur Ateliergemeinschaft Ziegelrain in Aarau. Es gelang ihm, der internationalen Pop-Art eine ganz spezifische, von kritischen Tönen untermalte Prägung zu verleihen, indem er beispielsweise in ‹Oh du liebliche Abendsonne›, 1967, die Pathosformel des Sonnenuntergangs mit Referenzen auf die rasant zunehmende ‹Verhäuselung› des Schweizer Mittellandes kombinierte und mit Sprach­elementen sowie Anleihen an geometrisch konstruktive Kunst humorvoll würzte. Dank den schillernden Sprayfarben verströmt das Bild Licht und Energie. Diese Elemente verbinden sich mit dem Zeitfaktor in Matters sehr reflektiertem Werk zu einer Ästhetik der permanenten Transition.

Bis: 28.03.2015



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Ausgabe 3  2015
Ausstellungen Max Matter [22.01.15-28.03.15]
Institutionen Galerie Museum Baviera [Zürich/Schweiz]
Künstler/in Max Matter
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